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Sexy Beast: Unruhe im Ruhestand

Jonathan Glazers Thriller mit Ben Kingsley als Anti-Gandhi mischte vor 25 Jahren die Kinolandschaft auf wie ein Felsbrocken, der in einen Swimmingpool plumpst.

31. August 2026

Wer mit Ben Kingsley vor allem seine Verkörperung des großen Pazifisten Gandhi verbindet, dessen Filmwelt dürfte seine Darbietung als Don Logan in Sexy Beast von Jonathan Glazer gehörig auf den Kopf stellen. Logan ist ein ganz schön mieser Hund, der vor Gewalt nicht zurückschreckt – weder vor Gewalt körperlicher, noch vor Gewalt verbaler Natur. Eines Tages taucht dieser Logan mit einem Überschuss an krimineller Energie im spanischen Ruhestandsdomizil des Safeknackers Gal Dove auf, der in London als Meister seiner Zunft gilt, also bei einem ehemaligen Gangster der Extraklasse, dem allerdings eben jene kriminelle Energie ausgegangen ist. Das Problem bei der Sache: Genau das kann Logan nicht akzeptieren, weil es der Job des Mittelmannes ist, ihn mit der alten Gang zusammenzubringen, um ein letztes großes Ding durchzuziehen. Und auch wenn wir hier an das berühmte, euphorisierende Motto der Blues Brothers erinnern – "We're putting the band back together" –, spielt diese erzwungene Reunion eher in einer Liga mit unmöglichen Comebacks wie von The Smiths, Spacemen 3 oder New Order – denen schlichtweg zu viele persönliche Animositäten oder der Unwille Einzelner im Weg stehen.

Giftzwerg statt Gandhi © Studiocanal

Giftzwerg statt Gandhi © Studiocanal

Gal denkt jedenfalls nicht im Traum daran, sich noch einmal in den Tresorraum einer Bank zu begeben. Nicht dass der von Ray Winstone gespielte Langfinger im Exil besonders sympathisch oder friedfertig rüberkäme. Ausgerechnet zum sexistischen Hit "Peaches" der Punkband The Stranglers, die sich bereits früh als eine der dümmsten Bands überhaupt erwies, die allerdings großartige Musik fabrizierte, bräunt er sich an einem Pool, bis er – ebenso popkulturell aufgeladen wie kinderleicht zu verstehen – von einem den Abhang herunter rollenden Felsen aus seinem Dämmerzustand aufgeschreckt wird, als der Brocken über ihn hinweg ins Wasser plumpst. Und das ist bloß der Anfang. Bald steht Logan höchstselbst auf der Matte – und Widerstand scheint zwecklos. Er ist so beharrlich und so nervig in seiner fordernden Art, dass Gal und seine Freundin wie Kumpane schon über die Leiche des Tyrannen gehen müssten, um sich vor einem neuerlichen Engagement bei seinem alten Boss Teddy Bass zu drücken. Und nun?

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Sexy Beast war vor rund 25 Jahren ein echter Überraschungserfolg – ein Thriller, der sich nicht um Genre-Konventionen scherte und seine Spannung vor allem aus der Figurenkonstellation und den mitreißenden Performances der Akteure zieht. Ein drastischer Mix aus Trainspotting und Pulp Fiction, der Spuren von Almodóvar enthält. Und so viel mehr. Seiner künstlerischen Linie mit den aufeinander prallenden, seltsamen Charakteren blieb Glazer auch im Nachfolgefilm Birth treu, in dem Nicole Kidman eine ihrer besten Rolle spielte, bevor er mit Under the Skin und The Zone of Interest noch weitaus experimentellere und streitbarere Wege beschritt. Dabei hätte aus ihm ein wahrer Popstar unter den zeitgenössischen Regisseuren werden können, wenn er die Ästhetik von Sexy Beast konsequent verfolgt hätte. Die Anfangssequenz allein entwickelt eine enorme Wucht – unmittelbar wie ein Drei-Minuten-Hit für die Ewigkeit –, die der Geschichte in keiner Sekunde verloren geht, so absurd es mitunter auch zugeht. Damals merkte man Glazer die jahrelange Erfahrung als Musikvideo-Regisseur an, eine Kunst, die längst vergessen zu sein scheint. Aber Ben Kingsley als Anti-Gandhi, der sich im Flugzeug weigert, die Zigarette auszumachen? Unvergesslich. Dieser Film wird auch in 100 Jahren noch verdammt cool sein.

WF

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