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ARTHAUS INHAUS: The Fountain von Darren Aronofsky

In dieser Rubrik stellen die Mitarbeiter*innen von ARTHAUS in persönlichen Texten ihre liebsten Filme vor. Los geht es mit The Fountain, empfohlen von Torsten Radeck, dem Head of Home Entertainment Marketing & Catalogue.

Filmgeschichten 07. Oktober 2020

Es war im Jahr 2006. Eine interne Filmvorführung, großer Kinosaal, sogar die Notbeleuchtungen ausgeschaltet, Clint Mansells Score erklingt – und plötzlich erscheint Rachel Weiszs Gesicht vollflächig auf der Leinwand. Ich war sofort gefangen, beeindruckt, gefesselt – eine zwei Stunden dauernde emotionale Reise, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

The Fountain von Darren Aronofsky ist ein Werk, das sich mit universellen Themen wie Liebe, Tod oder der Suche nach dem ewigen Leben beschäftigt und aus drei ineinander verwobenen Handlungssträngen über eine Zeitspanne von 1000 Jahren besteht. Klingt kompliziert und ist es auch, und sicherlich sind Filme von Darren Aronofsky nicht jedermanns Sache, aber das sollen sie wohl auch nicht sein. Lässt man sich jedoch auf diesen wilden Trip durch seine atemberaubende Bild- und Klangwelten ein und versucht nicht permanent einen Sinn oder Logik in jede Szene zu bringen, wird einem ein unvergleichliches Erlebnis zuteil.

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Zur Geschichte: Drei Zeitalter, ein Mann, eine Mission: Im 16. Jahrhundert versucht der Konquistador Tomas (Hugh Jackman) in einem Maya-Heiligtum im südamerikanischen Dschungel den Quell ewigen Lebens zu finden. Fünfhundert Jahre später arbeitet der Wissenschaftler Tommy Creo verzweifelt an einer neuen Heilmethode für Krebs – vor allem um seine erkrankte Frau Izzi (Rachel Weisz) zu retten. Doch Izzi hat ihre Methode gefunden, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen: Für ihren Mann schreibt sie ein Buch, das von den Abenteuern des Eroberers Tomas erzählt. Aber erst 500 Jahre später in einer fantastischen Reise, die ihn durch Raum und Zeit in die Transzendenz führt, findet Tommy die Antwort auf seine Suche.

Ein Maya-Tempel im tiefsten Dschungel ... © STUDIOCANAL GmbH

Ein Maya-Tempel im tiefsten Dschungel ... © STUDIOCANAL GmbH

Nicht nur der Film, auch die Produktionsgeschichte von The Fountain ist irgendwie episch. Nachdem Aronofsky im Jahr 2000 für seinen zweiten Film Requiem For A Dream gefeiert wurde, wollte er zusammen mit Warner dieses Projekt stemmen. 70 Mio. USD, Brad Pitt und Cate Blanchett standen bereit und die Vorzeichen waren gut. Am Ende sollte es aber nicht passen. Cate Blanchett wurde schwanger, es gab Probleme bei der Vorbereitung und als Brad Pitt die Produktion zwei Monate vor Drehstart verließ, war der erste Anlauf Geschichte. Erst vier Jahre später konnten die Dreharbeiten beginnen, dieses Mal mit Hugh Jackman und Rachel Weisz in den Hauptrollen und 35 Mio. US-Dollar Budget. Insgesamt waren fast 6 Jahre bis zur Fertigstellung des Films vergangen…

Wissenschaftler Tommy Creo (auch Hugh Jackman) und seine erkrankte Frau Izzi (Rachel Weisz) © STUDIOCANAL GmbH

Wissenschaftler Tommy Creo (auch Hugh Jackman) und seine erkrankte Frau Izzi (Rachel Weisz) © STUDIOCANAL GmbH

Es fällt auf den ersten Blick schwer, alle bisherigen Filme von Darren Aronofsky unter einen Hut zu bringen, sind sie doch sehr unterschiedlich. Sein Oeuvre reicht von Pi und Requiem for a Dream über The Fountain und The Wrestler bis zum meisterhaften Black Swan (für den er einen Oscar verdient hätte) oder seiner letzten Regiearbeit Mother (Noah fehlt absichtlich, da dieser Film von seinem bösen Zwillingsbruder stammen muss). Aronofsky überwindet die Grenzen des konventionellen Erzählens, dennoch gibt es eines, was alle seine Filme auszeichnet: eine absolute Furchtlosigkeit, sei es in Bezug auf die zugrunde liegenden Themen, die Erzählweise oder den Stil: Aronofsky schreckt vor fast nichts zurück, was spätestens seit Mother einmal mehr manifestiert wurde. Für die künstlerische Ausgestaltung seiner Ideen steht ihm dabei meist das gleiche Team um Kameramann Matthew Libatique und Komponist Clint Mansell zur Verfügung. Insbesondere Letzterer hat einige unvergessliche Melodien geschaffen, allen voran "Lux Aterna" aus Requiem For a Dream, aber auch "Death Is The Road to Awe" aus The Fountain sind Sternstunden der Filmmusik.

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Bei Publikum und Kritik stoßen Darren Aronofskys Filme selten auf uneingeschränkte Gegenliebe. Abgesehen sehen von The Wrestler oder Black Swan teilt er mit Regisseuren wie Terrence Malick zumeist das Schicksal, dass die einen seine Werke lieben und die anderen damit wenig anfangen können.

Viel Spaß beim Entdecken oder Wiederentdecken von The Fountain!

Rachel Weisz hier in der Rolle der Königin Isabel © STUDIOCANAL GmbH

Rachel Weisz hier in der Rolle der Königin Isabel © STUDIOCANAL GmbH

ARTHAUS Mitarbeiter Torsten Radeck, kurz vorgestellt:

An Bord seit: Seit 2005. Erst bei Kinowelt, dann bei Studiocanal.

Was genau machst du bei ARTHAUS / Studiocanal? Mein Jobtitel lautet "Head of Home Entertainment Marketing & Catalogue". Das passt kaum auf eine Visitenkarte, und ist in weniger als zehn Minuten auch kaum zu erklären. Ich kümmere mich um die Vermarktung aller Filme, die frisch aus dem Kino kommen, Serien, aber vor allem um die Filme aus unserem mehrere tausend Titel großen Catalogue, von DVD und Blu-ray über Streaming oder Kino. Außerdem bin ich seit 2006 verantwortlich für die Entwicklung der Marke ARTHAUS.

Dein schönster ARTHAUS-Moment? Viele – aber ganz oben: Nick Cave zu Gast bei der Wiederaufführung von Der Himmel über Berlin auf der Berlinale. Und ich durfte einmal Terrence Malick persönlich die Hand schütteln.

ARTHAUS ist für dich ...? Eine Marke, die dort anzutreffen ist, wo sich Leute versammeln, die auf besondere Filme stehen – egal ob im Kino, Digital, als Fan der Facebook- oder Instagram-Seite oder als Leser des ARTHAUS Magazins.

Du in drei Filmen? Schwierig. Hier ein Versuch: Der eiskalte Engel Night on EarthMulholland Drive

Und ein Guilty Pleasure? Vier Hochzeiten und ein Todesfall

TR

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