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Eine Liebeserklärung an das Sommerkino

Im Juli und im August laufen in Berlin und anderswo zahlreiche ARTHAUS-Filme in den Sommerkinos – zum Beispiel Chaplins Moderne Zeiten, Mulholland Drive oder La Boum – Die Fete. Im Angesicht der anrollenden Sommerwelle nehmen wir uns die Zeit für eine kleine Liebeserklärung an das Kino an der frischen Luft.

News/Neu erschienen 13. Juli 2022

Es gibt sie allein Berlin im Herzen von Stadtparks, im Lichtermeer eines Museumsviertels, in Laufweite zu einem Badestrand und manchmal gar inmitten eines Schlosses. Die Rede ist natürlich von den zahlreichen Sommerkinos, die alle Jahre wieder spätestens ab Juni in ganz Deutschland aufgebaut werden.

Beinharte Cineast*innen werden vermutlich die Nase rümpfen, wenn ich jetzt zu einer kleinen Liebeserklärung ansetze, weil man ja den bequemen Kinosessel und die absolute Ruhe dem etwas luftigen Treiben vorziehen würde, wenn man sich wirklich auf den Film einlassen will. Ich liebe das Sommerkino aber gerade, weil es eben nicht die gemeinsam in Stille erlebte Individual-Erfahrung ist, sondern Filme als Gemeinschaftserlebnis begreift. Das wurde mir vor allem in den letzten zwei Jahren bewusst, als die Pandemie das Ausgeh-Leben in weiten Teilen einschränkte und fast nur das Kino hin und wieder kleine Lichtblicke lieferte. Ich habe es zwar auch geliebt, endlich wieder, wenn auch mit mit Maske, im Sessel zu versinken, aber einige der schönsten Filmabende erlebte ich an der frischen Luft in einem eher semi-bequemen Strandstuhl.

Zum Beispiel auf der Insel der Jugend im Treptower Park im letzten Sommer: Die Leinwand zu klein, viel Gelaufe im Publikum (weil der Aperol Spritz recht günstig war), angriffslustige Mücken, aber eben auch die Gesellschaft einer guten Freundin und ein Film mit Punch, den man eh schon kennt, aber nun gemeinsam zelebriert: In diesem Fall war es Thelma und Lousie, die in einigen Szenen regelrecht angefeuert wurden vom Publikum. So ähnlich dürfte es am Donnerstag im Naturtheater Friedrichshagen bei Berlin abgehen, wenn dort La Boum – die Fete im wahrsten Wortsinn zelebriert wird.

Einen weiteren, tollen Sommerkinoabend erlebte ich im ZUKUNFT am Ostkreuz – einer jener alternativen Kulturräume, die permanent ums Überleben kämpfen und vielleicht gerade deshalb eine extrem sympathische Crowd versammeln, die sich in diesem Jahr zum Beispiel verschiedene Chaplin-Filme gemeinsam anschauen wird. Auch diverse Lynch-Filme sind immer wieder gute Kandidaten für spätabendliche Freiluftvorführungen, wenn der Sommernebel durch die Reihen zieht und die Schloss Charlottenburg plötzlich am Mullholland Drive zu stehen scheint. Aber auch die Arthouse-Film-Freunde kommen im Juli und im August auf ihre Kosten: Zum Beispiel auf dem Dach des Haus der Kulturen der Welt, wo man zum anspruchsvollen Kino einen guten Wein trinken kann.

Die außergewöhnliche Stimmung und die sommerliche Kulisse haben natürlich auch einen Einfluss auf die Filmauswahl. Neben den bekannten Filmen mit Kultstatus, die hier bereits zur Sprache kamen, wird zum Beispiel auch der wundervoll bunt strahlende Die wundersame Welt des Louis Wain in Freiluftkinos in Berlin und Hamburg gezeigt. Ähnlich bunte Meisterwerke wie Die fabelhafte Welt der Amélie und La La Land passen ebenso gut in den Sommer. Wer sich lieber an hochkochenden menschlichen Emotionen wärmt, dürfte sich darüber freuen, dass Parralele Mütter und Der Schlimmste Mensch der Welt an der frischen Luft ihre Kinospielzeit verlängern.

Da wir ja gerade auf eine amtliche Hitzewelle zusteuern, die für laue Sommernächte sorgen wird, möchten wir also mit diesem kleinen Text ein wenig Lust auf das Freiluftkino machen. Wir freuen uns dabei natürlich, wenn sie dann bei einem unserer Filme landen werden – aber das ist ja eh klar …

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