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The Florida Project auf ARTHAUS+: Und jeden Tag scheint die Sonne

Sean Bakers packendes Mutter-Tochter-Drama, eine Milieustudie vom pastellfarbenen Rand der Gesellschaft, ist jetzt auf unseren ARTHAUS+-Channels bei Amazon und Apple TV neben vielen weiteren Filmen und Serien zu sehen.

18. Februar 2022

Es war einmal vor den Toren von Disneyworld in Orlando, Florida. Eine Welt, in der jeden Tag die Sonne scheint. Dort lebt die 6-jährige Moonee (Brooklynn Prince) mit ihrer Mutter Halley (Bria Vinaite) – noch dazu in einem Schloss. Jedoch handelt es sich um nicht um ein märchenhaftes Gebäude, sondern um das heruntergerockte Magic Castle Hotel nahe des weltbekannten Vergnügungsparks. Eine pastellfarbene Sackgasse für seine in Pastellfarben gekleideten Bewohner*innen. Nein, das Leben im von der Sonne geküssten Schloss ist beileibe kein Vergnügen, dient dieser Komplex doch jenen, die kaum etwas haben, als bescheidene Durchgangsstation auf dem Weg nach unten. Früh macht Regisseur Sean Baker in diesem lässig erzählten, angesichts der unterschwelligen Dringlichkeit im Aufzeigen von Lebensentwürfen am Rande der Gesellschaft ebenso mitreißenden Film allerdings klar: Die Umdeutung von Verhältnissen beherrscht schon jedes Kind.

Kids just wanna have friends © Studiocanal

Kids just wanna have friends © Studiocanal

Und so wie Moonee und ihre Lausefreunde eine Strafe für das Bespucken des Autos der Nachbarin aus dem so genannten Futureland trotzig in ein lustiges Spiel verwandeln – und dabei ganz nebenbei zeigen dürfen, dass Solidarität unter Kindern vor allem deshalb immer eine reale Möglichkeit ist, weil sich die meisten Kids nichts sehnlicher wünschen als Freund*innen, die sie unter Gleichaltrigen eher finden als in der Welt der Erwachsenen –, so behält auch Moonees Mutter Halley unter den schwierigen Verhältnissen ihre Würde.

Hausmeister Bobby © Studiocanal

Hausmeister Bobby © Studiocanal

Beide lassen sich nicht unterkriegen, Hausmeister Bobby (Willem Dafoe) scheint außerdem ein Herz für sie zu haben. Hoffnung darf immer wieder aufblitzen und es darf menscheln, ohne dass kaputte Existenzen romantisiert würden. Ja, auf virtuose Weise macht Regisseur Baker dann noch deutlich, dass die echte Utopie eines besseren Lebens –, die auch all diejenigen im Herzen tragen, die ein Bewusstsein für ihre Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen haben, ohne sich dafür zu schämen –, und die Illusion eines besseren Lebens mitunter ein und dasselbe sind. Das gilt wieder sowohl für Kinder, als auch für die Erwachsenen, die sie mal werden – und erst recht in Florida.

WF

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