Louis Malle Edition

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„Ich mag es, feste Vorstellungen über den Haufen zu werfen. Oder auch Klischees und Tabus. Das habe ich immer gerne gemacht. Ich habe immer gerne die Scheiße aufgewirbelt, wenn ich das mal so sagen darf.“
Louis Malle

Louis Malles Filme sind, so scheint es, so unabhängig und grundverschieden, wie sie nur sein könnten. Doch so unterschiedlich die Stile auch sein mögen, sie alle haben ein Leitmotiv: die Unberechenbarkeit des Schicksals. Diese Edition vereint neun Filme aus über 30 Schaffensjahren – von seinem Erstlingswerk „Fahrstuhl zum Schafott“ über den preisgekrönten Kriegsfilm „Lacombe Lucien“ bis hin zum hervorragend besetzten Skandalthriller „Verhängnis“.

FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT(1957) Der perfekte Mord: Julien erschießt den Ehemann seiner Geliebten Florence und lässt die Tat wie einen Selbstmord aussehen. Doch er hat etwas vergessen, was ihn verraten könnte. Als er den Fahrstuhl betritt, stellt der Concièrge den Strom ab. Julien sitzt über Nacht gefangen im Fahrstuhl. Währenddessen nehmen die Dinge einen verhängnisvollen Lauf. Mit seinen betont kühlen Bildern, seiner Geschichte um Menschen, die kurz vor dem Abgrund stehen, und der unterkühlten (und in nur vier Stunden eingespielten) Jazzmusik von Miles Davis lehnt sich Louis Malle an den amerikanischen Film noir an und ist Vorreiter der französischen Nouvelle Vague. DIE LIEBENDEN (1958) Jeanne führt das langweilige Dasein einer Ehefrau an der Seite ihres erfolgreichen Mannes. Um der provinziellen Tristesse zu entkommen, flieht sie regelmäßig nach Paris. Bei einer Autopanne lernt sie den jungen Archäologiestudenten Bernard kennen. Hals über Kopf verliebt sie sich in ihn und gemeinsam verlassen sie Jeannes altes, monotones Leben. Louis Malles zweiter Langspielfilm festigte seinen Ruf als bedeutender Regisseur der Nouvelle Vague. Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen in Venedig. ZAZIE (1960) Die zehnjährige Zazie kommt zu ihrem Onkel nach Paris, damit ihre Mutter zwei Tage alleine mit ihrem Geliebten verbringen kann. Die freche Göre bringt alsbald nicht nur Onkel und Tante, sondern auch halb Paris in Aufruhr. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, mit der Metro zu fahren, doch die steht wegen eines Streiks still. Nach dem Roman „Zazie in der Metro“ des bekannten französischen Autors Raymond Queneau schuf Louis Malle einen eindrucksvollen, grotesken Film über die aberwitzige Welt der Erwachsenen. Es ist sein erster Film, in dem es um Kinder geht, ein Thema, das später zu einem seiner wichtigsten werden sollte. Gleichzeitig zitiert er Meliès‘ filmische Tricks und die klassischen Slapstick-Szenen von Mack Sennett. DAS IRRLICHT (1963) Der 30-jährige Alain Leroy wird aus einer Privatklinik für Alkoholkranke entlassen. Seine Frau ist in New York und so trifft er in Paris alte Freunde wieder. Enttäuscht stellt er fest, dass sie alle ihre Überzeugungen verraten haben: Sie sind selbstgefällig und bourgeois oder flüchten sich in Zynismus oder pseudointellektuelles Gehabe. Angewidert von der Welt und von sich selbst, beginnt Alain wieder zu trinken und beschließt sich umzubringen. Einer der berühmtesten Filme Louis Malles basiert auf dem gleichnamigen Roman von Pierre Drieu La Rochelle. Maurice Ronet spielt die Rolle des zerrissenen jungen Mannes überzeugend und einzigartig. LACOMBE LUCIEN (1973) Nachdem die Résistance den französischen Bauer Lucien als „zu jung“ abgelehnt hat, wird er zum Helfershelfer der Gestapo. Schnell erliegt Lucien der Faszination von Macht und Gewalt. Er lernt die Tochter eines jüdischen Schneiders kennen und verliebt sich. Doch schon bald steht die Familie auf der Liste der Nazis. Lucien muss sich entscheiden. Louis Malles vielschichtiges Meisterwerk ist die erste französische Produktion, die sich rückhaltlos mit Kollaborateuren während der deutschen Besatzung in Frankreich beschäftigt. Dabei verzichtet Malle bewusst auf die glorifizierende Darstellung der Résistance und versucht, die Handlungen des zwiespältigen Helden nicht blindlings zu verurteilen. Nominiert für Oscar® und Golden Globe als Bester ausländischer Film. BLACK MOON (1975) Draußen tobt ein brutaler Krieg zwischen Männern und Frauen. Die junge Lily entkommt gerade noch rechtzeitig einer willkürlichen Exekution. Sie flieht in ein entlegenes Landhaus, doch der Zufluchtsort entpuppt sich als skurriles Wunderland: Nackte Kinder spielen mit Schafen und Schweinen, eine alte Frau lebt in ihrem großen Bett und spricht mit einer riesigen Ratte. Zu guter Letzt wird die verwirrte Lily von einem feisten Einhorn gemaßregelt. Louis Malles „Black Moon“ verweist ganz unverhohlen auf Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“. Aber seine Version ist weitaus brutaler, sexueller und destruktiver. Ingmar Bergmans Hauskameramann Sven Nykvist fängt den surrealen Reigen in fantastischen Bildern ein, und die berühmte deutsche Theaterschauspielerin Therese Giehse, der der Film gewidmet wurde, ist in ihrer letzten Rolle zu sehen. MEIN ESSEN MIT ANDRÈ (1981) Die beiden Theaterleute Wally und André sind ein ungleiches Freundespaar. Nach vielen Jahren treffen sie sich in einem französischen Restaurant in New York wieder. André erzählt ausschweifend von seinen spirituellen Trips der letzten Jahre – und Wally hört zu, amüsiert sich und wird auch zunehmend verwirrter. Auf der Taxifahrt nach Hause reflektiert er seine eigene Vergangenheit und beginnt, alles etwas anders zu sehen. Louis Malle begleitet das Dinner und die Konversation der beiden Darsteller minutiös. Nichts anderes als zwei Freunde, die sich beim Essen unterhalten bekommt der Zuschauer zu sehen – und dennoch ist ihm ein komischer, unterhaltsamer und sehr charmanter Film gelungen. EINE KOMÖDIE IM MAI (1990) Mai 1968, in der südfranzösischen Provinz. Während in Paris die Studenten auf die Straße gehen, muss Milou die Beerdigung seiner Mutter organisieren. Die weit verzweigte Familie trifft sich dazu auf dem schlossähnlichen Weingut. Da die Totengräber zum Generalstreik aufgerufen haben, muss die liebe Verwandtschaft länger bleiben als geplant – und schon bald geht der Streit ums Erbe los. Und da platzt plötzlich auch noch Pierre-Alain herein, der Enkel der Verstorbenen, herein, und mit ihm der Traum von der Revolution. Die wunderbar warmherzige und lebenskluge Komödie ist mit Michel Piccoli, einem der bedeutendsten Charakterdarsteller Frankreichs, und der bezaubernden Miou-Miou in den Hauptrollen großartig besetzt. VERHÄNGNIS (1992) Stephen Fleming ist Staatssekretär im britischen Parlament: beruflich erfolgreich, aber gelangweilt in seinem Familienidyll. Doch dann lernt er die neue Freundin seines Sohnes kennen und stürzt sich in eine verhängnisvolle Affäre. Als der Sohn die beiden in flagranti ertappt, kommt es zu einer Katastrophe. Mit „Verhängnis“ inszenierte Louis Malle einen hocherotischen, hervorragend besetzten Skandalthriller, der mit Oscar®- und Golden-Globe-Nominierungen sowie zahlreichen weiteren Auszeichnungen geehrt wurde. Jeremy Irons und Juliette Binoche sorgten mit ihren äußerst freizügigen Darstellungen für Furore und heftige Diskussionen.

Produktionsland: Frankreich / Italien / Deutschland / UK
Produktionsjahr: 1957 - 199
Genre: Diverse
Lauflänge ca. 912 min.
FSK 16

Cast & Crew

Darsteller: André Gregory, Wallace Shawn, Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Vittorio Caprioli, Yvonne Clech, Philippe Noiret, Jeremy Irons, Juliette Binoche, Cathryn Harrison, Therese Giehse, Joe Dallesandro, Alexandra Stewart, Michel Piccoli, Miou-Miou
Regie: Louis Malle
Drehbuch: diverse
Kamera: diverse
Produktion: diverse

In dieser Box

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  • DVD Schuber 9er
    Louis Malle Edition

    Louis Malle Edition

    DVD Schuber 9er im Handel seit 21.04.16

    Extras

    Black Moon: Interviews mit Volker Schlöndorff und Vincent Malle, Fotogalerie, Trailer, Wendecover; Das Irrlicht: Dokumentation „Vive le Tour“, Wendecover; Die Liebenden: Dokumentation „Place de la République“, Wendecover; Eine Komödie im Mai: Trailer, Wendecover; Fahrstuhl im Schafott: „Parlons Cinéma“: Interview mit Louis Malle, Wendecover; Lacombe Lucien: Drei Dokumentationen „Lacombe wieder sehen“, „Die Geschichte eines Mistkerls“ und „Über die Dreharbeiten“, Interviews mit Vincent Malle und Volker Schlöndorff, Fotogalerie, Presseheft als PDF, Wendecover; Mein Essen mit André: Dokumentation „… und das Streben nach Glück“, Wendecover; Das Verhängnis: Featurette „Der Film“, Über Jeremy Irons, Über Juliette Binoche und Leslie Caron, Über Louis Malle, Trailer, Wendecover; Zazie: Dokumentation „Menschliches, Allzumenschliches“, Wendecover

    Technische Angaben

    Bild: diverse (anamorph)
    Sprachen/Ton: Deutsch (Mono Dolby Digital, Stereo Dolby Digital, 5.1 Dolby Digital), Englisch (Stereo Dolby Digital), Französisch (Mono Dolby Digital)
    Untertitel: Deutsch

    Angaben zum Vertrieb

    Bst.-Nr. 504942, EAN 4006680073194

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