Bild zu 5 Filme, die Joe Biden und Kamala Harris gucken sollten…

5 Filme, die Joe Biden und Kamala Harris gucken sollten…

…damit sie wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Keine leichten Jobs – die Präsidentschaft und das Vize-Amt in den USA. Filme als Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft könnten den beiden helfen. Warum sollte es im Weißen Haus nicht auch mal nach Popcorn duften?

27. Januar 2021

1. Selma

Angesichts der Erstürmung des Kapitols durch einen kriminellen Mob dürfen sich Joe und Kamala das ruhig noch mal in Erinnerung rufen: Es gibt durchaus eine Geschichte des legitimen Protests in Amerika – darunter fällt der Kampf der Bürgerrechtler*innen gegen die "Segregation". Rassismus ist allerdings tief verwurzelt in der US-Gesellschaft und zeigt sich bis heute viel zu deutlich, Kamala dürfte dies noch besser wissen als Joe. Regisseurin Ava DuVernay erzählt die Geschichte des mutigen Widerstand gegen die menschenverachtende Realität der 1960er Jahre. Auslöser der historischen Selma-Märsche war damals auch das Attentat auf die 16th Street Baptist Church in Birmingham, Alabama am 15. September 1963, bei dem vier schwarze Mädchen starben.

Martin Luther King (David Oyelowo) und Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) © Studiocanal

Martin Luther King (David Oyelowo) und Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) © Studiocanal

2. Die Klapperschlange

Der eine Präsident – seinen Namen wollen wir am liebsten gar nicht mehr in den Mund nehmen, die Spatzen haben ihn lange genug von den Dächern getwittert – geht mit dem Atomkoffer in der Hand. Der andere landet 1982 in John Carpenters Kultfilm auf dem Times Square - mit einem Tonband, das den nuklearen Showdown verhindern könnte, wird aber von einem Psychopathen entführt. Also, Joe und Kamala, falls mal echt was schief läuft bei der Weltrettung, einfach Snake Plissken rufen oder wenigstens noch mal Die Klapperschlange gucken. Lohnt sich zum Glück auch ohne bevorstehenden Atomkrieg.

Wenn nur noch einer den Präsidenten retten kann: Snake Plissken (Kurt Russell). © Studiocanal

Wenn nur noch einer den Präsidenten retten kann: Snake Plissken (Kurt Russell). © Studiocanal

3. Network

Das jahrelange, unsinnige Gerede von "Fake News", das in den USA nicht zuletzt zum Sturm auf das Kapitol führte, hat einen Nebeneffekt: Berechtigte Medienkritik wird von ihr ebenso im Keim erstickt wie der gesunde Menschenverstand. Und genau diesen haben Drehbuchautor Paddy Chayefsky und Regisseur Sidney Lumet 1976 eingesetzt, um in Network mit dem US-Fernsehbusiness abzurechnen. Die Geschichte des Nachrichtensprechers, der allmählich den Verstand verliert, wurde nicht nur damals mit 8 Oscars ausgezeichnet, sie dürfte Kamala und Joe noch 45 Jahre später eine Lehre sein: Man sollte die Glotze öfter mal ausschalten, um stattdessen einen guten Film anzuschauen. Das ist immer die richtige Wahl.

Beste Hauptdarstellerin: Faye Dunaway erhielt damals einen Oscar © Studiocanal

Beste Hauptdarstellerin: Faye Dunaway erhielt damals einen Oscar © Studiocanal

4. Serpico

Eine der großen Herausforderungen von Joe und Kamala wird ihr Umgang mit der Polizei im eigenen Land sein. Das dürften nicht nur all die "Black Lives Matter"-Demonstrant*innen so unterschreiben, die oft einer angriffslustigen, militärisch ausgerüsteten Staatsgewalt gegenüberstanden, während all die rechtsdrehenden Trumpisten, QAnon-Fans und White-Power-Aggros geradezu unbehelligt ins Kapitol schlendern konnten. Zugleich spielen sich viele rechte Kräfte als "Blue Lives Matter"-Stimmen auf und zeichnen Feindbilder auf der vermeintlichen Gegenseite, die mit der Realität wenig zu tun haben. So wird aus den gar nicht so dummen Überlegungen, die dem etwas unglücklich zugespitzten Slogan "Defund The Police" anhängen, eine angebliche Verschwörung linker und liberaler Kräfte gegen die Polizei. Obwohl es ja eigentlich um die Frage geht, ob es nicht sinnvoll wäre, präventiv in Sozialarbeit an Brennpunkten zu investieren, anstatt die Polizei immer mehr aufzurüsten, gnadenlos jeden und jede sofort wegzuheften und ein übervolles, für viele Privatunternehmen sehr lukratives System übervoller Gefängnisse zu stützen. Was Joe und Kamala dabei helfen könnte, eine Lösung zu finden? Typen wie Frank Serpico – also Polizisten mit einem sehr gesunden moralischen Kompass, die mit einem Fuß (und einem Joint in der Hand) in der Gegenkultur stehen, dabei aber zugleich die Notwendigkeit einer handlungsfähigen Staatsgewalt sehen.

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5. Das Kapital im 21. Jahrhundert

Amerikanische Politik ist immer auch ein Kampf um Millionenspenden und ein tägliches Kuscheln mit der Finanzwirtschaft – während auf dem nächsten Termin immer schon der nächste freundlich geifernde Lobbyist lauert. Wobei – eigentlich funktioniert Politik ja auf der ganzen Welt so. Nach einem Jahr, in dem man noch deutlicher gesehen hat, dass der Kapitalismus mitnichten aus Wachstum Wohlstand für alle macht, wäre es ein guter Zeitpunkt, um mal andere Thesen zu prüfen. Zwar sind weder das Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert des französischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty, noch die Dokumentation gleichen Namens von Justin Pemberton auf ganzer Strecke überzeugend, aber die hier versammelten Thesen und Meinungen müsste man mal konsequent weiterdenken. Joe und Kamala sollten bei dem Thema aber auch kritisch ins eigene Land schauen, das gerade auf dem besten Weg ist, ein formidables Steuerparadies zu werden. Wer sich zum Beispiel diese ausführliche Recherche des britischen "The Guardian" über die Trust Funds in South Dakota durchliest, der dürfte – auch und vor allem als Präsident – gesunde Zweifel kriegen, ob das denn alles wirklich zum Wohle der Gesellschaft ist.

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WF DK

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