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Der Beste Film aller Zeiten: Cruz, Banderas und Martínez sind, wie sie nie werden wollten

Die Satire von Gastón Duprat und Mariano Cohn ist Der beste Film aller Zeiten und fühlt sich an, als verbringe man einige sehr seltsame Tage mit Penélope Cruz, Antonio Banderas und Oscar Martínez. Was man ja schon immer mal tun wollte …

News/Neu erschienen 24. Juni 2022

Der beste Film aller Zeiten ist ein seltsamer Film. Was bitte ausdrücklich als Kompliment zu verstehen ist. Das aus Argentinien stammende Regie-Duo Gastón Duprat und Mariano Cohn setzt bei der Inszenierung zwar ganz auf sein Darsteller*innen-Trio – Cruz, Banderas, Martínez – aber das Set-Design, die Architektur der Villa, in der ein Großteil der Handlung spielt und vor allem das knochentrockene Drehbuch sorgen für eine Faszination und eine Stimmung, die man am besten mit dem Wörtchen "seltsam" umschreiben kann. Vielleicht, weil man ganz genau weiß, dass es in der Filmwelt reale Vorbilder gibt für diese Charaktere, vielleicht aber auch, weil man sich anfangs nicht sicher ist, ob man wirklich einen ganzen Filmabend in dieser Gesellschaft verbringen will. Sympathisch ist in diesem Film kaum jemand – aber auf diabolische Weise interessant. Das spürt man schon nach den ersten Szenen.

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Rivalisierende Brüder und Schauspieler

Aber worum geht es eigentlich? Na, genau um das, was der Titel verspricht. Ein milliardenschwerer, rücksichtloser, langweiliger, grauer, egoistischer, konservativer Unternehmer sorgt sich im hohen Alter plötzlich um sein Vermächtnis. Wie wird man sich an ihn erinnern? Vermutlich als milliardenschweren, rücksichtlosen, langweiligen, grauen, egoistischen, konservativen Unternehmer. Um das zu ändern, will er entweder eine Brücke bauen lassen, vom besten Architekten der Welt natürlich – oder aber: "Den besten Film aller Zeiten drehen". Nicht, dass er Ahnung vom Film hätte. Oder gar Leidenschaft fürs Kino. Aber er weiß nun mal, was in der Gesellschaft funktioniert. So wird also die exzentrische Filmemacherin Lola Cuevas (Penélope Cruz) rekrutiert, um einen aktuellen Bestseller zu verfilmen – ein Drama um zwei Brüder, die Zeit ihres Lebens in Konkurrenz stehen und deren Rivalität am Ende tödlich ausgeht. Cuevas holt zwei Schauspiel-Legenden aus entgegengesetzten Kampfklassen: Félix Rivero (Antonia Banderas) ist Hollywood-Star und Herzensbrecher, während Iván Torres (Oscar Martínez) als Instanz der Theaterwelt gilt und Reichtum ebenso verachtet wie Blockbuster made in Hollywood.

Der beste Film aller Zeiten spielt größtenteils zur Zeit der Proben, die in einer kalten, modernen Villa stattfinden und dank Lola Cuevas immer, nun ja, experimentfreudiger werden – um nicht zu sagen: sadistisch. An einem dieser Probetage fesselt sie Iván und Félix und zerstört vor ihren Augen all deren Preise, die sie für ihre Schauspielerei bekommen haben. Cruz sagte kürzlich in einem Interview mit der New York Times dazu: "Ich hatte eine gute Zeit, als wir das gedreht haben! Aber ehrlich gesagt standen da unsere eigenen realen Awards auf der Bühne. Ich wollte mich nicht völlig gehen lassen und sie aus Versehen kaputt machen."

Keine Fetisch-Aufnahme, sondern zwei Schauspieler und eine Regisseurin, die dabei zuschauen, wie ihre Filmpreise zermahlen werden. © STUDIOCANAL GmbH

Keine Fetisch-Aufnahme, sondern zwei Schauspieler und eine Regisseurin, die dabei zuschauen, wie ihre Filmpreise zermahlen werden. © STUDIOCANAL GmbH

Cruz: "Ich habe einen Frankenstein-Charakter aus realen Vorbildern geschaffen."

Der beste Film aller Zeiten funktioniert fast wie ein Kammerspiel – es gibt noch diverse Nebencharaktere, aber eigentlich verbringt man die Probentage im Bann dieser drei großen Schauspieler:innen. Vor allem Cruz‘ Lola Cuevas ist eine charismatische Egozentrikerin und dank der fantastischen Frisur eine ebenso schillernde Erscheinung. Wie bei allen drei Charakteren spürt man, dass Gastón Duprat, Mariano Cohn und die Darsteller*innen selbst reale Vorbilder im Sinn hatten. Cruz sagte der New York Times: "Ich werde die Namen meiner Vorbilder für die Rolle natürlich nicht verraten, aber sagen wir so: eine ganze Reihe von realen Menschen haben mich inspiriert, wenn auch nicht alle aus der Filmbranche und nicht alle Frauen. Die Regisseure und ich hatten uns viele Videointerviews mit diesen Leuten angesehen, um zu notieren, was für ungeheuerliche Dinge sie sagen würden [lacht]. Ich habe einen Frankenstein-Charakter erstellt, der auf ihnen basiert und auf dem, was wir alle über die seltsamsten Dinge erzählt haben, die uns am Set passiert sind. Wie gerne hätte man bei diesen Vorgesprächen mal gelauscht!"

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"Proben" einer Kuss-Szene, bei der sich die Regisseurin mal den Vortritt gewährt.

Cruz, Banderas und Martínez werden, wie sie in der Filmbranche nie werden wollten

Der beste Film aller Zeiten funktioniert aber vor allem so gut, weil die Regisseure eben nicht nur Spott und Galle auf die Filmewelt gießen, sondern spürbar von der Liebe zum Kino getrieben sind. Was ebenso für Lola, Félix und Iván gilt – auch wenn sie so verblendet sind, dass sie selbst das nur manchmal merken. Überhaupt sind die drei nicht nur übersteigerte Klischees – sie zeigen immer wieder Schwächen und Unsicherheiten und werden am Ende doch allzu menschlich. Antonia Banderas sagte der New York Times über seine Rolle: "Félix ist arrogant und frivol, aber er ist auch schlau. Wenn ich mich für einen der beiden Schauspieler im Film entscheiden müsste, würde ich mich wahrscheinlich trotzdem für Félix entscheiden. Iván ist schlau und gibt vor, diese puristische Ideologie über Kunst zu haben, aber er könnte Ihnen jederzeit das Portemonnaie klauen, wenn Sie mal kurz wegschauen. Er ist ein gefährlicher Charakter. Wenn Iván vor dem Spiegel probt, wie er auf die Verleihung eines Oscars reagieren würde, zeigt er wie Menschen in der Filmindustrie, aber noch mehr in der Politik, genau das werden können, was sie immer kritisiert haben."

Der beste Film aller Zeiten startet am Donnerstag in den deutschen Kinos, und wenn Sie immer schon mal erleben wollten, wie Penélope Cruz, Antonio Banderas und Oscar Martínez so werden, wie sie in dieser Branche nie werden wollten – dann ist das Ihre Chance.

Daniel Koch

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