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Stay Gold: Die außergewöhnliche Romanvorlage von The Outsiders – The Complete Novel

Die Autorin Susan E. Hinton schrieb den Roman "The Outsiders" noch im Teenager-Alter. Junge Menschen, die das Buch liebten, brachten dann Jahre später Francis Ford Coppola dazu, die Geschichte zu verfilmen – mit einem Staraufgebot, das damals noch gar keines war.

Filmgeschichten/Drehmomente 25. September 2021

Der Jugendroman "Die Outsider" von Susan E. Hinton erschien im Jahr 1967. Im Tonfall eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, war Hintons Buch über den jungen Ponyboy, seine ungewöhnliche Familie aus Brüdern und Freunden und den Gang-Kämpfen in seiner Heimatstadt Tulsa jedoch in vielerlei Hinsicht ziemlich einzigartig. Was zuallererst an der Autorin lag – oder an der Tatsache, dass diese von Männern dominierte Geschichte von einer jungen Frau erzählt wurde. Hinton war erst 16, als sie "Die Outsider" schrieb. Die Rivalitäten zwischen den besser gestellten Kids – den Socs – und den Working-Class-Kids – den Greasers – in Tulsa, hatte sie in ihrem eigenen Umfeld beobachtet. Als sie in der Zeitung von einem jungen Greaser las, der auf dem Heimweg von einer Kinovorstellung von Socs verprügelt wurde, kam ihr die Idee zu einer Shortstory, aus der schließlich "Die Outsider" entstand. Im Vorwort zur englischen Ausgabe bei Penguin Books schrieb Hinton dazu: "Ich habe 'Die Outsider' nicht bloß geschrieben, ich habe diese Geschichte gelebt. Wenn ich heute auf diese Zeit zurückschaue, merke ich, wie wichtig es war, dass ich dieses andere Leben hatte. Dass ich jemand anderes sein konnte. Dass ich in dieser Geschichte meine Probleme und Sorgen verhandeln konnte." Hinton sei damals an der angespannten Situation in ihrer High School verzweifelt. Da sie, die passionierte Leserin und Schreiberin, kein Buch fand, das die Probleme thematisierte, die sie wirklich beschäftigten, schrieb sie es einfach selbst. Als "Die Outsider" 1967 erschien, war Hinton gerade mal 19.

Auf dem Umschlag vieler Ausgaben des Buches liest man noch heute nur die Initialen S. E. Hinton. In einem Interview erklärte Hinton dazu: "Mein Verlag hatte Angst, die Kritik könnte der Meinung sein, eine Frau könne eine Geschichte wie 'Die Outsider' nicht erzählen. Deshalb entschied man sich für die Initialen. Später musste ich feststellen, dass dieses kleine Maß an Anonymität mir ganz gut gefällt."

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Hintons Jugendbuch-Debüt entwickelte sich schnell zu einem Besteller unter jungen Menschen. Es gibt zahlreiche Artikel aus der Zeit, die erwähnen, dass "Die Outsider" nicht nur als Schul-Lektüre funktionierte, sondern auch oft von jungen Menschen gekauft oder in Bibliotheken geliehen wurde, die betonten, sonst eher nicht zu lesen. Darunter waren viele junge Männer, die sich anscheinend in der Gang um Ponyboy und seine Brüder Sodapop und Darry wiederfanden. Außerdem wurde das Buch gleichermaßen angefeindet wie gelobt für seine Darstellung von Jugendgewalt.

Hinton sagt, die Figuren seien teilweise "der Gang nachempfunden, mit der ich damals abgehangen habe. Ich habe nie daran gedacht, dass diese Menschen, die sehr gute Freunde von mir waren, Greaser sein könnten. Bis wir einmal gemeinsam über die Straße liefen und jemand aus einem Auto brüllte: 'Hey, ihr Greaser!'" Hinton habe jedoch auch "Freunde mit Geld, die auf der reichen Seite Tulsas wohnten" gehabt, und gemerkt, dass auch sie Probleme haben. Hinton sagt, sie sei damals ein "Tomboy" gewesen. Für sie sei es völlig normal gewesen, in einer Clique von überwiegend Jungs und jungen Männern abzuhängen. In den späten 60ern, die von rigiden Geschlechterrollen geprägt waren, passierte das sicherlich nicht zu oft …

Die Jungs nach einer eher sinnlosen Schlägerei. © STUDIOCANAL GmbH

Die Jungs nach einer eher sinnlosen Schlägerei. © STUDIOCANAL GmbH

Es ist vielleicht gerade deshalb noch heute eine außergewöhnliche Erfahrung, diesen Roman zu lesen. Die seltsam magische Stimmung und der ja eigentlich damals noch aktuelle, aber zugleich irgendwie nostalgische Style, die auch die spätere Verfilmung ausmachen – beides ist noch immer zu spüren. Es ist aber vor allem der bei all der Gewalt irgendwie auch zärtliche, oder empathische Blick auf Männlichkeit, der "The Outsiders" besonders macht. Obwohl all diese Typen im Buch hart sein wollen und dabei manchmal halbstark wirken, obwohl sie stolz auf ihre Muskeln sind, aggressiv flirten, rumhängen, im Knast landen, sich prügeln und feiern wollen – Hinton gibt ihnen, mit der Stimme ihres Erzählers Ponyboys, immer wieder die Chance, dass sie ihre Gefühle zeigen können. Ihre Sehnsüchte formulieren. Ihr Hadern mit der Rolle, die die Situation oder die Gesellschaft von ihnen erwartet. Zugleich zeigen diese vermeintlich harten Jungs ihre Zuneigung. Ponyboy fühlt sich besonders geborgen in den Armen seines älteren Bruders Sodapop. Der älteste der Brüder, Darry, wird aggressiv, wenn er das Gefühl hat, sein talentierter Bruder geriete auf die schiefe Bahn. Er muss die Familie ernähren und Zusammenhalten, seitdem die Eltern von ihnen bei einem Unfall ums Leben kamen. Selbst Dallas Winston, der Brutalste in der Gang, hat wie alle anderen einen zärtlichen Blick auf den jungen Johnny, der bei den Brüdern die familiäre Liebe bekommt, die seine übergriffigen, alkoholsüchtigen Eltern ihm nicht geben wollen. All diese Elemente sorgen für jene magische Stimmung, die bisweilen schon homoerotische Züge hat – vor allem, wenn man sie schließlich von Francis Ford Coppola ausgefilmt sieht. Wie dieser zu dem Film kam, erzählt er am besten selbst:

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Der Film The Outsiders erschien zunächst 1983 in einer 90-Minuten-Fassung. Wie Coppola erklärt, drängte der Verleih Warner darauf, den Film für die jüngere Zielgruppe, die er ansprechen sollte, kurz zu halten. Außerdem störte man sich an einigen Szenen, die für zu freizügig gehalten wurden. Vielleicht lag es daran, dass der Film nur ein moderater Erfolg wurde, der auch viele Fans des Buches enttäuschte, denen einige Schlüsselszenen fehlten. Die bessere Fassung, die in Coppolas Sinne entstand, wurde erst 2005 veröffentlicht. Sie trägt den Titel The Outsiders – The Complete Novel und ist 113 Minuten lang. Neben der längeren Spielzeit, sorgte auch der neue Soundtrack dafür, dass diese Version runder wirkt. Francis Ford Coppola tauschte große Teile des melodramatischen Scores seines Vaters Carmine gegen Rock’n’Roll-Hits der Zeit, wie "Tomorrow Is A Long Time", "Blue Moon" und "Mystery Train" von Elvis Presley oder "Wild One (Real Wild Child)" von Jerry Lee Lewis.

Zum späten Meisterwerk wird der Film jedoch auch durch seinen erstaunlichen Cast: C. Thomas Howell, Rob Lowe, Emilio Estevez, Matt Dillon, Tom Cruise, Patrick Swayze, Ralph Macchio und Diane Lane haben frühe, starke Rollen, die in vielen Fällen zum Startschuss beeindruckender Hollywood-Karrieren wurden. Außerdem war diese Gang junger Stars so etwas wie die Geburtsstunde des "Brat Pack", jener Coming-of-Age-Filme, in denen bestimmte Schauspielerinnen und Schauspieler als Cliquen in Erscheinung traten.

Freunde fürs (zu kurze) Leben: Ponyboy und Johnny © STUDIOCANAL GmbH

Freunde fürs (zu kurze) Leben: Ponyboy und Johnny © STUDIOCANAL GmbH

Susan E. Hinton selbst war aktiver Teil der Verfilmung und übernahm – wie in späteren Verfilmungen ihrer Romane – eine Gastrolle. Sie ist die Krankenschwester, die sich um den renitenten Dallas kümmern muss. Im Vorwort zur Penguin-Ausgabe schreibt Hinton über diese junge Bande: "Auch wenn ihre Namen inzwischen den meisten Menschen bekannt sein dürften und Assoziationen zu Glamour, Stars und Hollywood auslösen, erinnere ich mich vor allem an eine Gruppe sweeter, frecher, unglaublich talentierter und zur gleichen Zeit völlig normaler Teenager. Ich war involviert in jedem entscheidenden Part der Verfilmung, aber die Erinnerung, die mich noch immer mit Wärme erfüllt, ist vor allem das Abhängen mit 'meinen Boys'".

Ein Gefühl, das auch die neue restaurierte Version von The Outsiders – The Complete Novel auslöst. Coppolas Film eröffnet am 3. November unsere Reihe "Best of Cinema". Alle Informationen dazu gibt es hier.

Bis dahin halten wir es mit dem Rat des kleinen Johnny, dessen Leben leider ein tragisches, zu frühes Ende findet. Er rät Ponyboy das, was auch Stevie Wonder so wundervoll musikalisch eingefangen hat: "Stay Gold".

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Daniel Koch

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