Jean-Luc Godard

Biographie
Filmografie

Vielseitige Ikone der Nouvelle Vague

Jean-Luc Godard gilt nicht nur als einer der Väter der Nouvelle Vague, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ist er dem Leitgedanken der Bewegung bis heute treu geblieben – von Anfang an widersetzt Godard sich dem Stil des klassischen Hollywood-Kinos und erfindet sich sowie das Verständnis vom Kino dabei ständig neu. Beispielhaft zeigt Godard mit seinen Filmen wie Kino nicht vorrangig durch seinen Inhalt, sondern vielmehr durch seine Machart politisch wird. Unbestritten gilt Jean-Luc Godard als der einflussreichste und facettenreichste Filmemacher des französischen Films.

Am 3. Dezember 1930 in Paris wurde Jean-Luc Godard in eine großbürgerliche Familie geboren. 1949 begann er Ethnologie zu studieren und pflegte nebenbei häufige Besuche in der Cinémathèque Française sowie Pariser Filmklubs. Schnell lernte er seine Nouvelle Vague Kollegen François Truffaut, Jacques Rivette und Éric Rohmer kennen und gründete 1950 zusammen mit Rohmer und Rivette die Zeitschrift Gazette du Cinéma. In den Artikeln des kritischen Magazins Cahiers du Cinéma bemängelten Godard und seine Kollegen die klassische, filmische Erzählform und forderten eine Wandlung des Kinos. 1954 kehrte er zurück in die Schweiz, nachdem seine Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam. Um seine finanzielle Lage aufzubessern, arbeitete er als Bauarbeiter und kaufte sich von seinem Verdienst eine 35mm Kamera, mit der er 1954 seinen ersten eigenen Film namens Opération Béton (1954) verwirklichte.

Nach vier weiteren Kurzfilmen zwischen 1955 und 1958 gelang Godard mit seinem ersten Spielfilm Ausser Atem (1960) der große Durchbruch. Durch den Verzicht von Studioaufnahmen, der ausschließlichen Verwendung einer Handkamera, minimaler Beleuchtung und dem gezielten Einsatz von Stilmitteln, die bis dato als Filmfehler galten, machte Godard international auf sich aufmerksam und etablierte sich als Regisseur. Ein Jahr später folgte sein zweiter Film Der kleine Soldat (1960), welcher sowohl künstlerisch als auch politisch für Aufsehen sorgte. Das Drama, in dem Godard unter anderem seine zukünftige Frau Anna Karina inszenierte, durfte bis 1963 nicht ausgestrahlt werden, da dieses die Brutalität des französischen Kolonialismus in Algerien thematisierte. Anna Karina war von da an in vielen weiteren Filmen Godards zu sehen wie in Die Geschichte der Nana S. (1962), Eine Frau ist eine Frau (1961) und Die Außenseiterbande (1964).

Mitte der 1960er Jahre begann Godards essayistische Phase, in der er sich von narrativer Logik entfernte und mit der Vermischung filmischer Stilmittel experimentierte. Besonders deutlich wird dies in seinem Film Masculin – Feminin (1966). Ende der 1960er Jahre kehrte Godard dem klassischen Erzählkino den Rücken und widmete sich ganz dem gesellschaftskritischen Gedanken. Gemeinsam mit Chris Marker und Alain Resnais drehte er die politischen Kurzfilme Cinétracts (1968), die sogenannten Flugblattfilme. Mit dem Ziel „auf politische Art politische Filme zu machen“ gründete er außerdem gemeinsam mit dem sozialistischen Theoretiker Jean-Pierre Gorin die Gruppe „Dsiga Wertow“.
Nach einer langjährigen experimentellen Phase meldete sich Godard Ende der 1970er Jahre mit dem Drama Rette sich, wer kann (das Leben) (1980) in die Kinowelt zurück. Mit Maria und Joseph (1985) inszenierte er eine moderne Bibelverfilmung, mit King Lear (1987) verwirklichte er seinen ersten englischsprachigen Film und in Deutschland Neu(n) Null (1991) thematisierte er auf seine ganz eigene Weise die deutsche Wiedervereinigung.

Godard wurde insgesamt mit vier Berliner Bären, zwei Goldenen Löwen in Venedig, einer Goldenen Palme in Cannes und dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk beim Filmfest von Locarno geehrt.

Film socialisme (2010)
Notre musique (2004)
Deutschland Neu(n) Null (1991)
Nouvelle vague (1990)
King Lear (1987)
Detektive (1985)
Maria und Joseph (1985)
Vorname Carmen (1983)
Rette sich, wer kann (das Leben) (1980)
Alles in Butter (1972)
Wladimir und Rosa (1971)
Weekend (1967)
Die Chinesin (1967)
Masculin - Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca Cola (1966)

Elf Uhr nachts (1965)
Alphaville (1965)
Eine verheiratete Frau (1964)
Die Außenseiterbande (1964)
Die Verachtung – Le Mépris (1963)
Die Geschichte der Nana S. (1962)
Eine Frau ist eine Frau (1961)
Der kleine Soldat (1960)
Ausser Atem (1960)

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