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Pssst! Das Schweigen gibt es gerade bei ARTHAUS+

"Vorwärts" schrieb von einer "zeitgemäßen Erregung", die "BILD Zeitung" witterte "Proteste, Proteste, Proteste!" und der "Stern" riet seinen Leser*innen mit kirchlichem Segen Das Schweigen von Ingmar Bergman bloß nicht anzuschauen. Das geniale, kühle Drama aus dem Jahr 1963 mit den offen gezeigten Sexzenen gibt es gerade auf unseren Kanälen von ARTHAUS+

News/Neu erschienen 25. April 2022

Das Schweigen von Ingmar Bergman war 1964 ein Skandal in der BRD – und mit fast elf Millionen Zuschauer:innen einer der erfolgreichsten Filme der 60er-Jahre. Man darf davon ausgehen, dass die Empörung von Kirche und Medien diesen immensen Erfolg eher befeuert hat. Wer dann aber einen pornösen Film erwartete, der – ganz wie die Kirche es versprach – das Potenzial habe, die Gesellschaft zu verderben, fand ein kaltes, tiefes, perfektes Drama, das aber eben die Sexualität seines Stoffes explizit auf die Leinwand brachte.

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Im Kern der Geschichte stehen die Schwestern Ester und Anna sowie Annas Sohn Johan. Sie befinden sich auf der Heimreise nach Schweden als Ester (Ingrid Thulin) einen Zusammenbruch erleidet und die Gruppe damit zu einem Aufenthalt in einem Hotel in Timoka drängt. Hier nimmt das psychologische Kammerspiel seinen Lauf: Anna (Gunnel Lindblom) empfindet eine Hassliebe für Ester, die wiederum um Johans Vertrauen bemüht ist, der ihr gegenüber eher abweisend reagiert. In der Stadt finden außerdem Vorbereitungen für einen Krieg statt und die allgegenwärtige Anspannung bringt langsam die Schwester an ihre Grenzen. Anna ist angriffslustig und sinnlich und liebt es ihre intellektuelle Schwester zu demütigen. Sie flüchtet sich in sexuelle Abenteuer, um den Druck zu kompensieren, während sich Esther zwanghaft selbstbefriedigt. Obwohl hier Körper berührt, erregt, gestreichelt, penetriert werden, regiert eine faszinierende visuelle und zwischenmenschliche Kälte. Einmal erzählt Anna ihrer Schwester von ihren Abenteuern: "Dann bin ich in die Bar gegangen. Der Mann ist mitgegangen. Wir wussten nicht, wo wir uns haben konnten, da sind wir in die Kirche gegangen. In einer dunklen Ecke haben wir miteinander geschlafen, hinter ein paar dicken Balken."

Johan auf seinen Streifzügen. © � 1963 AB Svensk Filmindustri

Johan auf seinen Streifzügen. © � 1963 AB Svensk Filmindustri

Das Schweigen erlebte seine Uraufführung in Stockholm am 23. September 1963 und löste dort eine Diskussion um Kunst und Pornographie aus. Erst 1964 erschien der Film in Deutschland – übrigens neben Schweden eines der wenigen Länder, in denen er nach einigem Hin und Her ungeschnitten gezeigt werden durfte. Die FSK entschied sich in seiner Prüfsitzung vom 10.12.1963 einstimmig für die Freigabe des Films ab 18 Jahren. Im Sitzungsprotokoll heißt es: "Dieser Film von allerhöchstem künstlerischen Rang, wurde in der internen Beratung angeführt, sei mit äusserster [sic] formaler Ökonomie ausgestattet, das bedeute: nichts Unwesentliches geschehe, jeder Szenenteil habe seinen tiefen Sinn, nichts ereigne sich als Selbstzweck, Aufgesetztes oder Spekulatives könne nicht unterstellt werden."

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden wiederum verlieh das begehrte Prädikat "besonders wertvoll" und positionierte Das Schweigen damit eindeutig auf der Seite des Kunstwerks. Trotzdem lockte der Skandal und das Gefühl der Anrüchigkeit tausende Zuschauer:innen in die Kinos – und machten aus einem Arthouse-Film einen Mainstream-Erfolg. Was Marcel Reich-Ranicki in der Wochenzeitung "Die Zeit" mit spitzer Feder kommentierte. Er schrieb in dem Artikel "Der Heilige und seine Narren", dass nun die "Spießer und Heuchler" beruhigt "einen feuchten weiblichen Busen" betrachten und sich aufgeilen" lassen könnten, "denn man hat ihnen ja erklärt, es ginge um Gott".

Johan wäscht seine Mutter Anna. © � 1963 AB Svensk Filmindustri

Johan wäscht seine Mutter Anna. © � 1963 AB Svensk Filmindustri

Wer zu all dem Wirbel am wenigsten sagte, war der Regisseurmeister höchstselbst. Ingmar Bergman erklärte damals: "Über Das Schweigen will ich überhaupt nicht diskutieren. Ich finde in dieser Diskussion ist der Film selbst meine einzige Antwort. Da will ich wirklich schweigen."

Das tun auch wir nun – und verweisen diskret auf unsere Kanäle von ARTHAUS+, wo es Das Schweigen gerade zu sehen gibt. Hier finden Sie alle Informationen zu ARTHAUS+ auf Apple TV und hier geht's zum Channel bei Amazon.

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