Mel Brooks als Urgestein des US-amerikanischen Humors zu bezeichnen, trifft es einerseits ganz gut, andererseits landete er in den 1960er Jahren noch als ein bis dahin unbekanntes Exemplar aus den geschmacklich recht dehnbaren Weiten des Comedy-Universums im Mainstream von Hollywood. Ein seltsamer Meteoriteneinschlag.
Inspiriert war die ungewöhnliche Karriere des Multitalents, das sich bald einen festen Namen als Meister der Persiflage machen sollte, von einer Broadway-Produktion, die Mel Brooks als Kind gesehen hatte. So war das Theatralische stets fester Bestandteil seiner Filmkunst. Und das gilt bis heute.
Denn wenn Mel Brooks am 28. Juni 2026 seinen Hundertsten feiert (wahrscheinlich mit mindestens zweihundert Kerzen auf der Geburtstagstorte), heißt das keinesfalls, dass er sich bereits im Ruhestand befindet. Ein unruhiger Geist wie seiner findet immer einen Grund, dem Schicksal eine neue, in eigener Handschrift verfasste Version der Geschichte entgegenzusetzen – und wenn es die Fortsetzung der legendären Star Wars-Parodie Spaceballs ist, die demnächst anlaufen soll.
Mel Brooks Signatur bleibt dabei unverwechselbar, nicht nur im Kino und im Theater. Als er sich vor gut zehn Jahren im Hollywoodschen Zement verewigte, trug er einen Handschuh mit einem elften Finger, während er den Abdruck hinterließ. Genau sein Humor.
Wobei die subtile Note seiner geistreichen Umtriebigkeit selbst an den mit dem Holzhammer geschriebenen Drehbuchpassagen und in den mit boulevardesker Lust an der Übertreibung gespielten Filmszenen aufscheint. Mel Brooks feierte schließlich 1968 mit einem unmöglichen Projekt den großen Durchbruch, in dem wiederum ein unmögliches Projekt im Mittelpunkt steht: The Producers – Frühling für Hitler.
Ein abgehalfterter Boadway-Produzent kommt im Verbund mit einem skrupellosen Autor auf die Idee, einen großangelegten Betrug zu inszenieren – und das auch noch rund um eine verherrlichend-lustige Revue über das Nazi-Regime namens Springtime for Hitler, die von einem waschechten Nazi namens Franz Liebkind verfasst wurde. Soll das etwa lustig sein? Der jüdische Witz des Mel Brooks macht in diesem Fall keine Gefangenen.
Solch grenzüberschreitende Klamauk-Attacken konnten auch deshalb zum Markenzeichen von Mel Brooks werden, weil er damals für The Producers – Frühling für Hitler auf Anhieb und vollkommen überraschend einen Oscar gewann in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch. Im Lauf seiner Karriere zog er dann alles Mögliche filmisch durch den Kakako, von der Geschichte der Welt inklusive letztem Abendmahl bis zur Renaissance der Robin-Hood-Filme Anfang der 1990er Jahre. Daneben arbeitete er hinter den Kulissen an so genannten seriösen Projekten wie Der Elefantenmensch von David Lynch oder Die Fliege von David Cronenberg.
Mel Brooks ist so alt, dass er noch persönlich im Feld gegen die Deutschen und ihren Antisemitismus gekämpft hat – und mal abgesehen von Der große Diktator von Charlie Chaplin zählt The Producers – Frühling für Hitler bis dato zu den wenigen gelungenen humoresken Verhandlungen des Nationalsozialismus im Kontext des Showbusiness. Sprich: Man lacht sich schief beim Zugucken und schreibt porblemlos gleichzeitig anhand des Films eine akademische Arbeit zum Thema Umgang mit dem Nichtdarstellbaren in einem Unterhaltungsformat.
Mel Brooks' langjährige Ehefrau, die 2005 verstorbene Anne Bancroft, kann leider nicht mit ihm anstoßen. Aber wir gratulieren heute dem einzigartigen Geburtstagskind von ganzen Herzen – mit liebem Gruß von der Konziääääärsch.
WF