Science Fiction spinnt manchmal die ganz großen Storylines – bei Der Astronaut – Project Hail Mary wird zum Beispiel nicht nur die Erde von Ryan Gosling gerettet, sondern gleich das gesamte bekannte Universum. Andere Sci-Fi-Produktionen setzen eher auf ein in der nahen Zukunft angelegtes Setting und beobachten dessen Auswirkungen auf Gesellschaft und Einzelschicksale.
Das ist im Groben auch der Ansatz der tollen Serie The Collapse vom französischen Filmkollektiv Les Parasites (hier gibt's ein Interview mit den Macher*innen): In den acht kurzen Folgen sehen wir kleine Kammerspiele vor einer drohenden Apokalypse. Jede Folge konzentriert sich dabei auf eine Handvoll Menschen an Schlüsselorten wie "Der Supermarkt", "Das Altersheim", "Der Flugplatz" oder "Die Live-Sendung". The Collapse wurde dabei zurecht für seine Realitätsnähe gelobt. Die Bilder und Dialoge wirken schlüssig – und sind gerade deshalb beunruhigend. Die Serie gibt es gerade bei ARTHAUS+.
Schon Jean-Luc Godard trieb 1965 die Angst um, von einem Computer regiert zu werden – was heute im Angesicht der K.I.-Entwicklung realistischer denn je erscheint. Vor allem, wenn man auf die moralisch-fragwürdigen Business-Leute schaut, die diese technische Revolution vorantreiben. In seiner Exkursion ins Sci-Fi-Genre, Alphaville, sehen wir an der Seite des "Agenten der Außenwelt" Lemmy Caution, wie es aussehen könnte, wenn eine K.I. übernimmt.
In der Stadt Alphaville regiert der Supercomputer α-60 – und plant ganz nebenbei einen Angriffskrieg auf den Rest der Welt, in dem die Menschen noch das Sagen haben. α-60 setzt auf totalitäre Methoden und hat seinen Bürger:innen die Emotionen größtenteils ausgetrieben. Für ihn gilt nur das Gesetz der Logik – und damit die Menschen aus Alphaville das auch kapieren, gibt es in jedem Raum eine "Bibel" mit den Worten, die sie benutzen dürfen. Diese wird jeden Tag aktualisiert – und wer andere Vokabeln verwendet, muss mit harten Strafen oder gar dem Tod rechnen. Den Film gibt es gerade bei ARTHAUS+.
James Cameron verankerte seine apokalyptische Vision zwar sehr deutlich in den Ängsten der später 80er, aber die weit in die Zukunft reichende Storyline ist natürlich Sci-Fi par Excellence. Der Großteil der Menschheit wird in seinem Film durch eine Atomexplosion getötet, weil die Künstliche Intelligenz Skynet Russland zu einem Atomschlag provoziert. Sie eskaliert also den realen Kalten Krieg und findet eine perfide Lösung für das "Problem Menschheit", bei der Skynet die meisten Opfer auch noch auf den Deckel der Menschheit schreiben kann.
Das war (im Film) am 29. August 1997, den wir ja zum Glück in der Realität immerhin überlebt haben. Und trotzdem wirkt vor allem dieser Terminator-Film noch immer furchteinflößend futuristisch und zunehmend real zugleich: Als Cameron den Film drehte, waren die KI-gesteuerten Killerdrohnen noch Zukunftsmusik, heute werden sie in München gebaut und kommen in der Ukraine zum Einsatz.
Auch in James Cameron Sci-Fi-Action-Klassiker gibt es einige Plot-Points, die uns heute wieder nervös machen. Die Klapperschlange mit Kurt Russell in der ikonischen Rolle des Snake Plissken spielt im Jahr 1997. Die NATO befindet sich im Krieg mit Russland – das klingt heute gar nicht mehr so weit weg. Allerdings ist Carptenters Film dann doch zu irre, unterhaltsam und punkig, als dass man sich allzu apokalyptische Gedanken einfängt.
In der Welt des Films ist Manhattan vom Rest der Stadt getrennt und fungiert als Hochsicherheitsgefängnis. Ausgerechnet dort crasht die Air Force One mit dem Präsidenten an Bord. Der Präsident hat ein Tonband in der Tasche, das die Welt vor einem Atomkrieg retten könnte. Leider gerät er in die Hände eines Psychopathen, der in seiner Freizeit Gladiatorenkämpfe veranstaltet. Der frisch verurteilte Snake Plissken soll das Staatsoberhaupt retten – fährt aber seine eigene Agenda. Während Science Fiction-Filme oft glatt erscheinen und auf eine technikverliebte Ästhetik setzen, geht es bei Carpenter natürlich eher schmutzig zu.
Einen Film, der in die Weiten des Universums aufbricht, haben wir aber doch im Sortiment – zumindest in der David Lynch Complete Film Collection Box. Die Rede ist hier natürlich von Dune. Ein Film, mit dem Lynch Zeit seines Lebens nicht warm wurde. Was man durchaus verstehen kann, wenn man weiß, welche Kämpfe er kämpfen musste (was wir hier ausführlich erzählt haben.)
Außerdem war es ja eh klar, dass man diesen Science-Fiction-Klassiker nicht in einen einzigen Film quetschen kann. Das wusste auch Lynch – nur leider checkten es die Produzenten nicht. Im Ganzen funktioniert Dune also leider nicht, aber dafür hat Lynchs Verfilmung zahlreiche visuelle Elemente, die das im Grunde recht irre literarische Original viel besser treffen, als es die recht slicken Verfilmungen von Denis Villeneuve tun.
Kaum ein anderer Film in der Geschichte des Kinos setzt derart auf die Bilder, die von bestimmten Kulissen im Zusammenspiel mit ausgesuchten Requisiten geprägt werden und sich im Gedächtnis des Publikums festsetzen, wobei sie ein gewisses Fernweh auszulösen, wie Bis ans Ende der Welt von Wim Wenders. Schlussendlich entpuppt sich diese Sehnsucht darin als Sehnsucht nach der Zukunft, die in den Randgebieten unserer möglichen Erfahrung aufscheint. Dieser schier unmögliche Roadtrip, den Wenders nach vielen Jahren der Vorbereitung tatsächlich doch noch möglich machte, und der im Dirctor's Cut eine Laufzeit von etwa 279 Minuten umfasst, führt uns in eben diese nur mit viel Phantasie vorstellbaren Randgebiete.
Wenders' "ultimativer Roadmovie", wie man ihn einst beim Kinostart anpries, der auf vier Kontinenten, in neun Ländern und sogar im Weltall gedreht wurde (um die Welt zu verstehen, scheinen uns die Bilder aus der Vogelperspektive zu sagen, muss man sowohl tief in die Welt und ihre Einzelheiten eintauchen als auch mal Abstand von ihr nehmen und sie aus der Distanz betrachten) spielt im Jahr 1999, wurde aber bereits 1991 fertiggestellt. Die letzte Dekade des ausgehenden 20. Jahrhunderts bildete also den Rahmen des Zukunftsszenarios, das im Film umrissen wird: mit utopischen Gadgets, die an heutige Alltagsgegenstände erinnern und futuristischen Accessoires, die inzwischen längst von realen Moden ein- und wieder überholt wurden.
Unerklärliche Energiewellen haben den Mond aus seiner Umlaufbahn gedrängt und die Erde wird von seltsamen Naturkatastrophen heimgesucht. Der brillante und exzentrische Dr. Hans Zarkov (Chaim Topol) meint die Ursache zu kennen: Die Welt wird durch Außerirdische bedroht und es bleiben weniger als 10 Tage, bis der Mond auf die Erde kracht und sämtliches Leben zerstört. Zarkov zwingt den Football-Helden Flash Gordon (Sam J. Jones) und die New Yorker Reiseleiterin Dale Arden (Melody Anderson) an Bord seines provisorischen Raumschiffes. Ihr Ziel: der mysteriöse Planet Mongo. Dort herrscht der unbarmherzige Imperator Ming (Max von Sydow). Der intergalaktische Tyrann hält das Schicksal mehrerer Völker in seiner Hand – und nun hat er es auf die Erdlinge abgesehen.
Zum 40. Jubiläum der Flash Gordon-Verfilmung von Mike Hodges erschien dies knallbunte Space-Oper noch einmal in 4K restauriert und mit zahlreichen Bonusmaterialien. Mit dabei war auch der Original-Soundtrack von Queen, die für die orchestralen Parts von Howard Blake unterstützt wurden. Queen waren schon damals eine der größten Rockbands der Welt – "Bohemian Rhapsody" und "We Are The Champions" Hits, die jeder kannte. Produzent Dino de Laurentiis soll beim Aufkommen der Idee damals trotzdem gegrummelt haben: "But who are the queens?" Trotzdem ließ er sich bis zuletzt zähneknirschend überreden. Der Soundtrack bleibt bis heute außergewöhnlich und faszinierend – auch im Gesamtwerk von Queen. Brian May gestand später selbst, die Musik sei für Queen-Verhältnisse "very campy". Was natürlich perfekt zum Film Flash Gordon passt, der Science Fiction ähnlich camp angeht, wie Masters of the Universe das Fantasy-Genre. Trotzdem macht es einen Heidenspaß, mit diesem Film gen Mongo zu reisen und sich von den zahlreichen zu knappen und zu bunten Hosen von Flash Gordon blenden zu lassen.
Weitere Science Fiction-Filme aus dem Katalog von ARTHAUS und Studiocanal finden Sie hier auf unserer Letterboxd-Seite.