Fassbinder zum Zweiten: Dieser Film aus seinem Frühwerk erzählt die Geschichte des Obsthändlers Hans Epp (Hans Hirschmüller), dessen Leben von Frauen bestimmt und letztlich zerstört wird, weil er unfähig ist, ihnen zum Trotz sein eigenes Leben zu leben. Den Ansprüchen seiner Mutter (Gusti Kreissl) konnte er nicht gerecht werden. Seine wahre Liebe (Ingrid Caven) durfte er aus Standesdünkeln nicht heiraten. Seine lieblose Ehe mit Irmgard (Irm Hermann) erträgt er nur im Suff, der ihn übergriffig macht. Nach seinem ersten Herzinfarkt heuert er Harry (Klaus Löwitsch) für den Obsthandel an. Der Laden läuft, doch Klaus Depression wird stärker. Selbst seine geliebte Schwester (Hanna Schygulla) kann ihm keine Hoffnung geben. Seelisch zerstört und von der Umwelt allein gelassen, säuft sich der Herzkranke Hans im Kreise seiner "Lieben" schlussendlich zu Tode.
Als erste westliche Produktion erhielt Der letzte Kaiser von Bernardo Bertolucci eine Drehgenehmigung für die Verbotene Stadt. Rund 19.000 Statisten waren an den Dreharbeiten beteiligt, allein für die Krönungsszene des Kaisers ließ Bertolucci 10.000 Komparsen in historischen chinesischen Kostümen aufmarschieren. Der bildgewaltige Monumentalfilm wurde mit insgesamt neun Oscars, zwei Britisch Academy Awards, einem César und vier Golden Globes ausgezeichnet. Völlig zurecht, wie wir finden. Lesen Sie hier unsere Top 5: Der letzte Kaiser schreibt Geschichte(n).
Fassbinder zum ersten: Der Ausnahmeregisseur ("Angst essen Seele auf") schuf mit seiner im Homosexuellenmilieu angesiedelten Geschichte ein tragisch-ironisches Melodram über die emotionale wie finanzielle Ausbeutung von Gefühlen. Während er selbst die Hauptrolle des sehr persönlichen Stoffes übernahm, ist an seiner Seite u.a. die österreichische Schauspiellegende Karlheinz Böhm ("Sissi"-Trilogie) zu sehen. Hier finden Sie übrigens unsere besten Texte über Rainer Werner Fassbinder.
Karin (Harriet Andersson) wurde gerade erst aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen, als sie mit ihrem Mann Martin (Max von Sydow), ihrem Schriftstellervater David (Gunnar Björnstrand) und ihrem 17-jährigen Bruder Peter (Lars Passgård) für den Sommer auf eine Ostseeinsel fährt. Während ihre entfremdete Familie dort sowohl mit Karins Erkrankung als auch mit eigenen Problemen ringt – David hat einen Selbstmordversuch hinter sich und der pubertierende Peter will unbedingt auch Schriftsteller werden – wird Karin erneut von Wahnvorstellungen heimgesucht, in denen ihr sogar Gott erscheint. Meisterregisseur Ingmar Bergman ("Persona") inszenierte mit Wie in einem Spiegel ein eindringliches Porträt von Schizophrenie, Glaube und Hoffnung.
© Arthaus / Studiocanal
Kinder, wie die Zeit vergeht! In Russell T. Davies’ Serie Years & Years tut sie dies geradezu rasend, allerdings läuft sie nicht spurlos an den Menschen vorbei. Sie durchzuckt sie eher wie ein Blitz. Das ist schmerzhaft für die Held*innen und Anti-Held*innen der Geschichte und hinterlässt bei ihnen fiese Wunden, das Publikum jedoch bleibt dauerhaft elektrisiert. 2019 ging die Ko-Produktion von BBC One und HBO auf Sendung und umfasst sechs Folgen á 60 Minuten, worin sie einen erzählten Zeitraum von 15 Jahren abdeckt. Gibt es ein Genre für diese Art Unterhaltung? Mehrere: Science-Fiction. Dystopie. Drama. Und doch wieder keines.
Wenn ein Film hundertsten Geburtstag feiert, wie Goldrausch im letzten Jahr, stellt sich automatisch die Frage, ob er gut gealtert ist. Doch bei Charlie Chaplins Goldrausch – The Gold Rush verbietet sich jeder Zweifel an der Langlebigkeit. Auf der Suche nach dem geeigneten Thema für ein Werk, das ihm ähnlich großen Erfolg wie Der Vagabund und das Kind (1921) bescheren könnte, stieß Chaplin selbst auf erzählerisches Gold, bündelte zeitlose Aspekte der Suche nach dem individuellen Glück und traf damit den Nerv eines Grundmotivs des modernen Lebens. Diese Glückssuche hat bis heute nicht an Wichtigkeit verloren. Lesen Sie hier unsere Würdigung zum 100.
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DK