Welcher Anlass wäre passender als der Geburtstag von Keira Knightley am 26. März, um sich die Welt des Kostümfilms und der Romantik zu begeben? Aber ehrlich gesagt: Gibt es nicht immer einen passenden Anlass, um sich Filme wie Stolz und Vorurteil oder Abbitte mit Knightley in den Hauptrollen anzuschauen, wo sich alles um das dreht, was die Menschen in ihrem Innersten erschüttert und deswegen bis zum Äußersten treibt – die Liebe?
Die romantische Liebe stand zu jener Zeit, als Jane Austen ihren erfolgreichsten Roman Stolz und Vorurteil schrieb, noch auf einem ganz anderen Blatt als heute, im Kern jedoch ist ihr Wesen über die Jahrhunderte unverändert: zwei Menschen fühlen sich auf eine zauberhafte Weise voneinander angezogen. Eine Magie, die allen Umständen trotzt, während diejenigen in ihrem Bann mit den Verhältnissen, mit sich selbst und dem Objekt der Begierde ringen.
Die Liebe kommt also nie allein, sie ist nur im Zusammenhang mit ihren Bedingungen zu verstehen – und doch scheint es so etwas wie die wahre, bedingungslose Liebe zu geben. Austen schuf mit ihrem Buch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Sittengemälde der englischen Gesellschaft und zugleich eine gefühlvolle Studie zweier Menschen, die einander verfallen – allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz und mit einer außergewöhnlichen weiblichen Heldin. So etwas wie die ultimative Lovestory der Literaturgeschichte.
Verfilmungen von historischen Stoffe lassen in der Regel den Zeitgeist ihres Entstehungsdatums durchblicken, betonen also die Beständigkeit der Gesetzmäßigkeiten bestimmter Dinge im Wandel der Gesellschaft. 1940 kam Stolz und Vorurteil mit Laurence Olivier und Greer Garson auf die Leinwand, 2005 schenkte uns Regisseur Joe Wright das Traumpaar Keira Knightley und Matthew Macfadyen als Lizzie und Mr. Darcy plus einen zeitgemäßen Reminder der ökonomischen Verwerfungen des Lebens.
Wright brauchte den Faden Jane Austens nur aufzunehmen, die Geschichte verwandelte sich unter seiner Hand samt den mit eben jenem Faden geknüpften herrlichen Kostümen und dank der Chemie zwischen den Hauptdarstellenden zu einer ans Herz gehenden Angelegenheit. Like wer die Dialoge auswendig kennt und sich mehr als einmal in eine Situation aus dem Film geträumt hat.
Träumen gehört nun mal zur Liebe, doch was geschieht, wenn man dem Gegenüber seine Emotionen gesteht – möglicherweise gar aus Versehen in einem Brief, der in die falschen beziehungsweise richtigen Hände gerät?
Liebesgeschichten sind Ausdruck gewaltiger Tumulte, unbändiger Anziehungskräfte und hemmungsloser Lust, und irgendwann wird fast jede Liebe zum offenen Geheimnis. Das sind auch die Grundmotive von Joe Wrigts nächstem Ausflug in romantische Gefilde – wobei die Handlung von Abbitte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts spielt und auf einem Roman von Ian McEwan basiert. Keira Knightley ist auch hier als Cecilia durch die Wirren der Leidenschaft und die Abgründe des Kriegs hindurch absolut hinreißend.
Die unterschiedlichsten Filmemacher*innen erliegen dem nie enden wollenden Werben literarischer Vorlagen, das macht den Reiz der Adaptionen aus.
Wuthering Heights von Andrea Arnold ist wohl die bis heute wagemutigste Fassung des Romans von Emily Brontë aus dem Jahr 1847. Und dank Effie Briest von Rainer Werber Fassbinder dürfte die Protagonistin des gleichnamigen Romans von Theodor Fontane für viele Kinofans das Gesichte von Hanna Schygulla tragen. Mit Tess verfilmte Roman Polanski Thomas Hardys Roman über die mehr als heiklen Aspekte der herrschenden Sexualmoral im viktorianischen England – und rang dabei nicht zuletzt mit den eigenen Abgründen.
Wenn die Liebe wunde Punkte trifft, dann sind solche Filme Eine Liebe von Swann – in dem Volker Schlöndorff die Essenz von Marcel Prousts Klassiker Auf der Suche nach der verlorenen Zeit einfängt – spürbare Seelenmassagen, die auch dem Kopf Gutes tun. Auf Letterboxd haben wir eine Liste von ARTHAUS-Klassikern des Genres zusammengestellt – passend zu Keira Knightleys Geburtstag oder für jeden anderen Anlass.
WF