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Bild zu Robert Duvall: In einer Liga mit Dustin Hoffman und Gene Hackman

Robert Duvall: In einer Liga mit Dustin Hoffman und Gene Hackman

Am 15. Februar ist der aus Apocalypse Now bekannte und Oscar-prämierte Charakterdarsteller gestorben

18. Februar 2026

Robert Duvall war der Sohn einer Nachfahrin des berüchtigten Bürgerkriegsgenerals Robert Edward Lee, der auf Seiten der Südstaaten kämpfte, sowie eines Navy-Admirals. Man könnte meinen, die Kindheit, als die Familie jeweils dort lebte, wo der Vater stationiert war, habe ihn für die Mitwirkung in MASH von Robert Altman oder die Rolle des Oberst Kilgore in Apocalypse Now von Francis Ford Coppola prädestiniert. Schließlich fiel darin die Berufung zur Schauspielerei mit dem väterlichen Beruf und dem familiären Background mütterlicherseits zusammen. Die Mutter war ebenfalls leidenschaftlich den darstellenden Künsten verbunden, und es soll mal einer behaupten, dieser Oberst Kilgore, der Bombardements mit Wagner unterlegen lässt und oberkörperfrei den Geruch von Napalm am Morgen schwärmerisch beschreibt, begreife den Krieg nicht als Bühne.

Mehr als einen doppelten Boden erhält diese Inszenierung, wenn man Revue passieren lässt, inwieweit Francis Ford Coppola im Sinne seiner Antikriegsfilm-Haltung das Set von Apocalypse Now selbst in eine Art Kriegsschauplatz verwandelte (wovon man sich in Eleanor Coppolas Doku Reise ins Herz der Finsternis - Hearts of Darkness überzeugen kann) – und den ästhetisch bewanderten Berserker Kilgore, der als abschreckendes Beispiel für die seelische Verwahrlosung von Menschen unter unmenschlichen Bedingungen herhalten muss, mit einem privat eher konservativ eingestellten Darsteller besetzte.

In der Hauptrolle seines Lebens als Mac Sledge © Studiocanal

In der Hauptrolle seines Lebens als Mac Sledge © Studiocanal

Duvall unterstützte mehrere höchstrangige republikanische Politiker (die wiederum militärische Interventionen befürworteten und veranlassten), bis ihm die Partei in ihrer Trump-Hörigkeit suspekt wurde. Künstlerisch gehörte er aber immer schon zu den fortschrittlichen Kräften. So ist sein Name eng mit dem Begriff des New Hollywood verbunden. Mit Gene Hackman und Dustin Hoffman lebte er zeitweise in einer Wohngemeinschaft – welch filmreifes Szenario! Und so wie die Kollegen etablierte sich Robert Duvall über die Jahre als Charakterdarsteller, der auch schon in der anderen überlebensgroßen Coppola-Produktion Der Pate als Tom Hagen eine Schlüsselnebenrolle übernahm. In beiden Fällen, in denen er den Coppola-Ensembles seine unverwechselbare, sanftkantige Note hinzufügte, war er für den entsprechenden Oscar nominiert, später erhielt er die Auszeichnung als Bester Hauptdarsteller für seine Darbietung als ehemaliger Country-Star Mac Sledge in Tender Mercies - Comeback der Liebe. Wir erinnern uns außerdem an Robert Duvall in Colors - Farben der Gewalt an der Seite von Sean Penn, in Coppolas Der Dialog oder in der beißenden Mediensatire Network, in der er als Ressortchef mitverantwortlich dafür zeichnet, dass ein Nachrichtensprecher wegen schlechter Einschaltquoten umgebracht wird.

Robert Duvall, der neben seiner schauspielerischen Tätigkeit auch als Regisseur arbeitete, geht in die Kinogeschichte ein als fester Bestandteil eines kritischen Hollywood, da er im Kleide seiner Figuren sowohl die unterschwelligen Töne des Wahnsinns wie die subtilen Schwingungen der Normalität anzuschlagen wusste. Allein durch seine physische Erscheinung flößte er dem Publikum Respekt ein und lehrte uns Demut vor der Wirklichkeit, die in den Filmen auf mal humoreske, mal bitterernste Weise verhandelt wurde. Am 15. Februar 2026 ist Robert Duvall im Alter von 95 Jahren verstorben.

WF

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