Am 5. Februar 2026 feiert die Britin Charlotte Rampling ihren 80. Geburtstag. Anfang des 21. Jahrhunderts begann ihr zweiter künstlerischer Frühling, der bis heute anhält (auch wenn sie zwischenzeitlich nie gänzlich von der Bildfläche verschwand, jedoch etwas unter den Radar geriet bei ihrer Suche nach anspruchsvollen Drehbüchern mit komplexen Frauenfiguren).
In "Swimming Pool" © Studiocanal
Charlotte Rampling hat sich ihren Star-Status über viele Jahrzehnte hart erarbeitet, bevor sie 2003 für ihre herausragende Darbietung in Swimming Pool von François Ozon mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde und wohlverdient im Rampenlicht stand.
Eine doppelbödige Geschichte: Die von ihr verkörperte Krimi-Bestseller-Autorin Sarah Morton durchwandert eher eine persönliche Talsohle als eine Schaffenskrise. Die Bücher um den bei ihren Leser*innen beliebten Inspektor Dorwell gehen Sarah weiter leicht von der Hand, aber trotzdem juckt es sie in den Fingern, mal einen anderen literarischen Ansatz zu wählen. So zieht es sie für eine Weile in die französische Urlaubsresidenz ihres Verlegers, wo nach ein paar Tagen auch dessen Tochter Julie auftaucht.
Ludivine Sagnier mimt den Teenager, der die sexuellen Phantasien der wesentlich älteren Sarah Morton auszuleben scheint – oder geht es doch um Mordphantasien? Der fein inszenierte Mystery-Thriller hat erotische Momente, die nicht nur auf die Reize der jüngeren Julie oder der jener Kerle reduziert bleiben, mit denen diese herummacht. Auch Charlotte Rampling zeigt ihren Körper, wodurch es Regisseur Ozon gelingt, den Reifeprozess einer Persönlichkeit mit der Macht über die Inszenierung gleichzusetzen.
In "Angel Heart" © Studiocanal
Warum das alles wie für Charlotte Rampling gemacht – ihr sozusagen auf den Leib geschneidert worden zu sein scheint? Rampling hat selbst mehr als bloß eine französische Episode, Mitte der 1970er Jahre heiratete sie nämlich den Elektronik-Musiker Jean-Michel Jarre, nachdem sie bereits ihren Lebensmittelpunkt nach Südfrankreich verlegt hatte. Italien, Frankreich – das waren nun mal Länder, in denen Filme produziert wurden, die lukrative Rollen für sie abwarfen, während sie in den 1960er Jahren nach eigenem Bekunden in England noch vor allem als Püppchen, intrigantes Luder oder Mädchen, das dem männlichen Helden ohne eigenen Willen hinterherläuft, besetzt worden war.
Wer sich für die Autobiografie Ramplings interessiert, dem seien die auf Französisch verfassten Memoiren "Qui je suis" empfohlen. Übersetzt: "Wer ich bin".
Charlotte Rampling kann auf eine facettenreiche Karriere blicken. Sie spielte in dem Skandalfim Der Nachtportier,, und drückte so unterschiedlichen Meisterwerken wie dem außergewöhnlichen Science-Fiction-Klassiker Zardoz oder Claude Lelouchs Drama Viva la Vie – Es lebe das Leben ihren Stempel auf. Sie war Lady Spencer in Die Herzogin von Saul Dibb, wurde von Alan Parker für Angel Heart an der Seite von Mickey Rourke besetzt, gab in Max mon Amour von Nagisa Oshima dem Affen Zucker, wirkte in der hochgelobten britischen Serie Broadchurch mit und war im Kino zuletzt sowohl in Denis Villeneuves Crowdpleasern Dune und Dune: Part Two als auch in Paul Verhoevens Schocker Benedetta zu bewundern.
Nach eigenem Bekunden wählt sie ihre Rollen nicht aus, um das Publikum zu unterhalten, sondern um persönliche Grenzen auszuloten. Zum 80. Geburtstag kann man Charlotte Rampling nur herzlichst gratulieren und feststellen: Ihre künstlerische Blüte ist voll entfaltet.
WF