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ARTHAUS INHAUS: Aguirre, der Zorn Gottes von Werner Herzog

In dieser Rubrik stellen die Mitarbeiter*innen von ARTHAUS in persönlichen Texten ihre liebsten Filme vor. Diesmal geht es um Aguirre, der Zorn Gottes – empfohlen von Luca Meyer, dem Senior Key Account Manager für Free- & Pay-TV.

Filmgeschichten/Arthaus Inhaus 14. Januar 2021

Ich muss zugeben: Ich hätte auch großen Spaß daran, mal die größten Gurken der Filmgeschichte vorzustellen. Ich bin schon seit ein paar Jahren in der Medienbranche tätig und habe im Laufe dieser Zeit die Veröffentlichungen einiger qualitativ eher fragwürdiger Filme miterleben dürfen. Im Gegensatz dazu erscheinen aber auch immer wieder Highlights, die das Potential zum Klassiker haben, das ARTHAUS-Label hat davon nicht wenige im Programm. In diese Kategorie fällt für mich zweifelsohne die Werner Herzog - Exklusiv Edition.

Ich bin kein eingefleischter Arthouse-Fan, aber ich habe schon immer ein Faible für Herzogs Filme gehabt. Unter all den großen Werken, die er drehte, ist mir Aguirre, der Zorn Gottes am liebsten. Dabei ist das wohl nicht sein bekanntester Film. Hier wären eher Fitzcarraldo oder Nosferatu zu nennen. Viele sind sogar der Meinung, dass Herzog primär als Dokumentarfilmer gesehen werden sollte: Seine einzige Oscar-Nominierung hat er ja auch für eine Doku bekommen (2009 für Begegnungen am Ende der Welt). Das sind aber meiner Meinung nach eher Belege für Herzogs unglaublichen Facettenreichtum. Und dass er ein ziemlich cooler Typ ist, hat er spätestens zu dem Zeitpunkt bewiesen, an dem er seine markante Stimme "Shrimply Pibbles" aus der Serie "Rick and Morty" lieh (sollte Sie sich unbedingt hier mal anschauen). Es wird Zeit, dass Herzog hierzulande die gleiche Anerkennung erhält wie in den USA, wo er längst Kultstatus erreicht hat.

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Aber warum gerade Aguirre, der Zorn Gottes? Nicht nur, weil der Film selbst ein Meisterwerk ist (auf dessen Inhalt ich allerdings nur am Rande eingehen werde – Sie sollen ihn ja selbst anschauen), sondern auch weil die Umstände, unter denen er entstand, mehr als skurril sind. Herzog hatte eigentlich überhaupt kein Geld für diesen Film. Selbst die Kamera, mit der er drehte, war beim Deutschen Institut für Film und Fernsehen geklaut. Nur durch eine unglaublich glückliche Fügung des Schicksals verpasste die Filmcrew den Flug zu einem der Drehorte – diese Maschine stürzte anschließend im Urwald ab, nur eine Passagierin überlebte (Herzog begleitete sie später für seine Dokumentation Julianes Sturz in den Dschungel an den Unfallort). Der Fluss, auf dem sich der Film hauptsächlich abspielt, schwoll durch starke Regenfälle mehrmals an und riss Flöße und teure Ausrüstung mit sich. Um sich und seine hauptsächlich indigene Crew unter diesen widrigen Produktionsgegebenheiten bei Laune zu halten, war man während des Drehs ständig von Coca-Blättern berauscht. Für eine der finalen Szenen, in der eine Horde Affen über die Darsteller herfällt, wurden die Affen ebenfalls gestohlen: Diese waren eigentlich längst schon in einem Flugzeug in die USA verladen, Herzog und ein paar aus seinem Team gaben sich als Tierärzte aus, packten die Affen ins Produktionsfahrzeug und türmten einfach. Und wenn das nicht genug wäre: Über all dem thronte noch Klaus Kinski, der personifizierte Wahnsinn, der irgendwann mal so sehr "in character" war, dass sich Herzog mehr als nur einmal wünschte, seinen Hauptdarsteller während der Dreharbeiten eigenhändig zu erschießen.

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Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) gelang es Herzog, einen Film zu drehen, der den sich stets nähernden Wahnsinn besonders plastisch beschreibt. Der finanzielle Druck, die Unwägbarkeiten beim Dreh, die Auseinandersetzung mit Hitze, Dschungel und wildem Getier, und natürlich der irre Klaus on top: All diese eigentlichen Probleme verwandeln sich bei AGUIRRE in eine unbändige filmischen Kraft, die den Film unglaublich intensiv und real werden lässt – ganz als hätte Werner Herzog eine weitere Dokumentation gedreht.

ARTHAUS Mitarbeiter Luca Meyer,kurz vorgestellt:

An Bord seit: 2005

Was genau machst du bei ARTHAUS / Studiocanal?: Ich verkaufe als Senior Key Account Manager Free- & Pay-TV unsere Filme ans Fernsehen

Dein schönster ARTHAUS-Moment? Zumindest in letzter Zeit: Als nach vielen Jahren der Planung der Arthaus+ Channel endlich an den Start gehen durfte.

ARTHAUS ist für dich ...? Der wahr gewordene Wunsch der Kreativindustrie, den künstlerischen Aspekt in Filmen vor den kommerziellen zu stellen.

Du in drei Filmen?
…nur drei? Dreißig wäre einfacher gewesen. Spontan fallen mir 2001: A Space Odyssey, Whiplash und The Big Lebowski ein.

Und ein Guilty Pleasure? Superbad!

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