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Top 5: Der Film zum Mensch

Jeder Mensch, der Popmusik mag, wartet gerade auf die Premiere der Beatles-Dokumentation Get Back. Da es bis dahin noch ein paar Wochen dauert, möchten wir die Doku über ihre Tour-Jahre empfehlen – und vier weitere Filme, die berühmte Persönlichkeiten wie Romy Schneider, Rosa Luxemburg, Marie Curie und Johanna von Orléans porträtieren.

Listen/Top Listen 16. November 2021

Es gibt Menschen, deren künstlerisches Werk ihr Leben noch lange überstrahlt. Egal, ob sie mit ihren Liedern Millionen Menschen bewegten. Oder ihre Bilder unsere Fantasie befeuerten. Diese Menschen zu porträtieren, ist eine hohe Kunst. Aber guten biografischen Filmen gelingt es, den jeweils passenden Zugang zu finden. Mal mit Originalaufnahmen aus der Vergangenheit, die authentische Einblicke geben und ganz nah dran sind. Mal mit quasi neu verfilmten und fiktiv ausgeschmückten Leben. Mal mit Interviews von Wegbegleiter*innen und Zeitzeug*innen. So vielfältig sich Kreativität zeigen kann, so vielfältig ist auch die Garde der in unserer Themenrubrik "Biografien" versammelten Künstler*innen. Wie nah an der Realität die jeweiligen Werke sind, sollte beim Schauen jedoch nicht der einzige Maßstab sein: Ebenso wertvoll ist doch das, was der Regisseur, die Regisseurin oder der Cast einbringen kann – sei es Respekt, Liebe, Neugier oder die eigene Bildsprache.

The Beatles: Eight Days A Week – The Touring Years

Während Peter Jackons Dokumentation The Beatles: Get Back, die Ende November in drei Teilen auf Disney+ zu sehen sein wird, die letzten Jahre der Beatles zeigt, führt die musikalische Zeitreise The Beatles: Eight Days A Week – The Touring Years direkt zum Urknall der modernen Popgeschichte – in die wilden Touren zur Zeit der Beatlemania. All das, was uns noch immer fehlt – jubeln, kreischen, lauter als die Band singen, Songs, die uns in zweieinhalb Minuten in Ekstase versetzen – gibt es hier im Überfluss. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Denn was diesen Film von Oscar-Preisträger Ron Howard auszeichnet, sind nicht nur die zahlreichen Live-Szenen der Beatles-Touren zwischen 1962 und 1969, sondern auch die gezeigten Interviews mit diesen vier jungen Männern, die selbst zwischen Überforderung und Euphorie taumeln – und sich dabei auch schon mal im Ton vergreifen, oder am eigenen Erfolg verzweifeln. Aber irgendwie auch eine tröstliche Erkenntnis. Auch John, Paul, George und Ringo sind also: Menschen.

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Romy Schneider und ihre 3 Tage in Quiberon

Vor 30 Jahren tankte Romy Schneider Kraft in dem französischen Kurort in der Bretagne, an die dort verordnete Diät hielt sie sich aber wohl nicht. So entwickelte sich das Zusammentreffen mit den Reportern des Magazins Stern, Michael Jürgs und Robert Lebeck, zu einer intensiven Auseinandersetzung. Es floss auch eine Menge Schampus. Während feststeht, dass Schneider kurz vor ihrem jähen Tod im Jahr 1982 diesen beiden Journalisten ein ausführliches Interview und exklusive Fotoaufnahmen gewährte, kritisierte Romy Schneiders Tochter Sarah Biasini 3 Tage in Quiberon wegen seiner künstlerischen Freiheiten. Auch die von Birgit Minichmayr gespielte Jugendfreundin Hilde existierte nicht wirklich. Der Intensität von Marie Bäumers Romy-Darstellung tut dies keinen Abbruch, sie geht noch dazu weit über eine physische Ähnlichkeit hinaus. Robert Gwisdek weiß als "besserer Haifisch", sprich nicht ganz uneitler Qualitätsboulevardjournalist Michael Jürgs, außerdem zu überzeugen.

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Johanna von Orléans

Luc Besson ist als Filmemacher bekannt, der Genre-Filmen einen ganz eigenen Touch verleiht und seine Figuren sehr speziell gestaltet. Das gilt auch für Bessons Verfilmung des Lebens der französischen Ikone Jeanne d’Arc, die hier von Milla Jovovich gespielt wird. Ein fantastisches und ausuferndes Historienspektakel, in dem zwischen Schlachtenorgien und herrlichen Überzeichnungen genug Raum für Zwischentöne bleibt. So haben Sie Johanna von Orléans noch nicht gesehen, und so hätte sie sonst niemand auf die Leinwand bringen können.

Mitten im Getümmel © Studiocanal

Mitten im Getümmel © Studiocanal

Rosa Luxemburg

Margarethe von Trottas gleichnamiges Porträt der Revolutionärin Rosa Luxemburg ist zugleich natürlich Barbara Sukowas Porträt der 1919 Ermordeten, deren Satz "Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" bis heute nachklingt, auch wenn er mitunter auf etwas verquere Weise interpretiert wird. Denn Rosa Luxemburg ging es zeitlebens um die Befreiung der ganzen Gesellschaft von der Knechtschaft unter dem Kapital – wovon letztlich auch die Kapitalisten profitieren sollten, allerdings nicht in finanzieller Hinsicht. So lange die Menschen aber gar nicht frei sein wollen, müssen Sie wenigstens solche herausragenden Filme schauen, die historische Kontexte erklären und sowohl ihren Figuren als auch dem Publikum tiefe Einsichten abtrotzen.

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Marie Curie – Elemente des Lebens

Wie eine Wissenschaftlerin sich in der Männerwelt behauptet – da könnten sicher heute noch einige ihrer Kolleginnen Bücher drüber schreiben. Aber Marie Curie lebte nicht im 21. Jahrhundert, sie wurde 1867 in Warschau geboren und musste sich ihren Platz in den Geschichtsbüchern hart erkämpfen. Später bekam die Entdeckerin der radioaktiven Strahlung als erste Frau den Nobelpreis für Physik. Rosamunde Pike zeigt in der Rolle der Vorreiterin im Biopic Marie Curie – Elemente des Lebens, welch hohen Preis die kompromisslose Persönlichkeit zahlte, um ihren Forschungen zu nachgehen zu können.

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DK/WF

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