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Bild zu Bitteres Fest von Pedro Almodóvar: Der Künstler als Parasit

Bitteres Fest von Pedro Almodóvar: Der Künstler als Parasit

Ab sofort läuft der neue Spielfilm von Pedro Almodóvar in den Kinos: Bitteres Fest ist ein bissiges Verwirrspiel über Kreativität, Autofiktion und die Verantwortung eines Künstlers gegenüber den realen Menschen, die seine Fiktionen inspiriert haben.

30. Juli 2026

Die ersten Minuten von Bitteres Fest sind nicht gut. Die Filmemacherin Elsa (Bárbara Lennie), die wir darin sehen, ist zwar cool und wunderschön, aber kühl und unreflektiert. Ein flacher Charakter. Ihr Lebenspartner ebenso: Bonifacio (Patrick Criado), Kosename Beau, ist Feuerwehrmann und Stripper. Ein ansehnliches, wandelndes Klischee mit strammen Hintern und "Abs“, wie die TikTok-Kids heute ein gesundes Sixpack nennen. Der Krankenhausbesuch der beiden ist stylisch aussehendes, hohles, aber bedeutungsschwanger aufgeladenes Kino.

Aber gerade, wenn man fast ein wenig diebisch denkt, Pedro Almodóvar habe endlich mal ins Klo gegriffen, merkt man, dass wir uns hier noch in einem Film des fiktiven Regisseurs Raúl Durán (Leonardo Sbaraglia) befinden, der natürlich ein Alter Ego von Almodóvar selbst ist. Auch Raúl erkennt an seinem Laptop, vor seinem Intellektuellen-Regal sitzend, dass es in seinem neuen Film noch gehörig knirscht. Die lange Schreibblockade scheint zwar überwunden, aber so recht versteht er sein Handwerk doch noch nicht wieder.

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Bitteres Fest spielt nun mit diesen Metaebenen und Handlungsfäden und verknotet sie immer wieder aufs Neue. Raúl hat für seinen Film reale Geschehnisse aus seinem nächsten Umfeld verarbeitet und entsetzt damit seine langjährige Assistentin und Weggefährtin Mónica (Aitana Sánchez-Gijó). Ein Suizid in ihrem Umfeld lieferte Raúl nämlich die Inspiration, die er nun für seinen Film ausschlachtet.

Das kommt zu einem ungünstigen Moment, denn Mónica hält dessen Kunst inzwischen eh für blasierten Arthouse-Scheiß und will längst kündigen. Außerdem wirft sie ihm vor, Menschen nur auf die Rollen zu reduzieren, die er ihnen auch im echten Leben zuteilt. Das gilt besonders für Raúls attraktiven Lover Santi (Quim Gutiérrez), der wie ein Toyboy gehalten wird, obwohl er intelligent und emphatisch ist und immer wieder gutes Feedback zu Raúls Geschichten gibt.

Die gelegentlichen Gespräche über dessen Kunst zeigen dann auch wieder die Kunst des ganz realen Almodóvars: Santi sitzt oft, während Raúl leuchtend gekleidet vor seinen Büchern thront, in blauer Kleidung auf einem blauen Sofa und verschwindet fast in der Bildkomposition. Sprechen die beiden über das Drehbuch, zieht er sich einen Stuhl an den Schreibtisch, der niedriger ist als Raúls und blickt unsicher zu ihm hoch. Klar, dass Raúl Santis durchaus treffendes Feedback auch nicht so wirklich ernst nimmt.

Der Regisseur und sein Toyboy. © Arthaus / Studiocanal

Der Regisseur und sein Toyboy. © Arthaus / Studiocanal

Während das Verwirrspiel der Geschichten hohe Aufmerksamkeit erfordert, gibt es zum Glück immer wieder sehr klar formulierte Momente, die meistens zwischen Raúl und Mónica passieren. Die Dynamik der beiden ist eh das angenehme Britzeln im Film, weil man schon früh spürt, dass hier über die Jahre eine ziemlich handfeste Antipathie gewachsen ist. Einmal schleudert sie ihm entgegen: "Du saugst uns aus und dann kommt nicht mal ein gutes Drehbuch raus." Der Künstler als Parasit also. Ein anderes Mal sagt Raúl, das nenne man heutzutage "Autofiktion", und sie schießt zurück: "Komm mir nicht mit diesem Quatsch."

Von diesen bösartigen Momenten und der Arschlochhaftigkeit Raúls hätte man am Ende gerne noch mehr gesehen, aber trotzdem ist es wahrlich wieder ein Fest, Pedro Almodóvar in seine Gedankenlabyrinthe zu folgen. In einem Interview mit dem Filmmagazin Deadline stellte der Regisseur allerdings noch einmal klar, dass es ihm noch nicht passiert sei, dass jemand aus seinem nahen Umfeld verletzt gewesen sei, weil er eine Geschichte parasitär ausgeschlachtet hätte.

"Zum Glück gab es das bei mir noch nicht. Aber ein Schriftsteller kann für seine Angehörigen gefährlich sein, da man mehr oder weniger immer von jemandem inspiriert wird, der einem nahesteht. Ich meine, ich schreibe in völliger Freiheit. Wenn ich also schreibe, denke ich nicht an andere Menschen, sondern konzentriere mich ausschließlich auf die Geschichte selbst und tue genau das, was die Geschichte von mir verlangt." Diese Gefahr sähe man auch in den ethischen Debatten, die wir in den letzten Jahren in der Literaturwelt hatten – zum Beispiel über autofiktionale Werke von Maxim Biller, Karl Ove Knausgård oder Emmanuel Carrère.

Der Regisseur und seine Assistentin. © Arthaus / Studiocanal

Der Regisseur und seine Assistentin. © Arthaus / Studiocanal

Für Pedro Almodóvar ist Bitteres Fest aber vor allem ein Film über "die Beziehung zwischen Realität und Fiktion. Diese Beziehung fasziniert mich unendlich, ebenso wie der Ursprung der Kreativität. Es ist mir ein großes Rätsel, woher Kreativität kommt. Und genau das wird zum zentralen Thema dieses Films." Das Thema habe zwar auch schon La mala educación - Schlechte Erziehung oder Zerrissene Umarmungen geprägt, "aber ich habe das Gefühl, dass ich dieses Thema in diesem speziellen Film so endgültig behandelt habe, dass ich vielleicht nie wieder darauf zurückkommen werde."

Ob es dabei bleibt, wird die Zukunft zeigen, aber tatsächlich könnte Bitteres Fest eine Art Standartwerk werden, wenn man sich mit dem Zusammenspiel zwischen der Kunst und dem echten Leben, das sie abbildet, befassen will.

Bitteres Fest läuft seit Donnerstag in den deutschen Kinos.

DK

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