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40 Jahre nach dem Oscar: Oskar kehrt zurück

Paukenschlag auf der Münchner Filmwoche: Volker Schlöndorffs Die Blechtrommel wird im Kino wiederaufgeführt. In einer sorgfältig restaurierten Version – genau 40 Jahre nach dem Triumph bei den Academy Awards.

Filmgeschichten 16. Januar 2020

Im Rahmen der Münchener Filmwoche ließ Volker Schlöndorff gestern die Katze aus dem Sack. Seine Jahrhundertverfilmung des Jahrhundertromans von Günter Grass kehrt in einer umfassend restaurierten Fassung zurück ins Kino – und zwar am 14. April 2020 und somit exakt 40 Jahre nachdem Die Blechtrommel den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt (ja, damals wurden die Academy Awards im Frühling verliehen). Am Tag der Wiederaufführung dürfte selbst der gestandene Regisseur um Fassung ringen angesichts der glücklichen Fügungen, die das Meisterwerk möglich machten und bis heute begleiten. Schlöndorff beschreibt die Umstände so:

"Zuerst hatte ich das Glück, dass Günter Grass diesen Roman geschrieben hatte, dann das Glück, dass der Produzent Franz Seitz mir die Regie anbot und auch nicht lockerließ, als ich zuerst absagen wollte. Dann die Entdeckung von David Bennent für die Rolle des Oskar, weiter die fantastischen Mitarbeiter, vor allem der Drehbuchautor Jean-Claude Carriere, der Kameramann Igor Luther, die Cutterin Susanne Baron, die Ausstatter Nikos Paris und Bernd Lepel. Hinzu kommen die Kostüme von Dagmar Niefind, schließlich die Musik des Komponisten Maurice Jarre. Immer an meiner Seite durch Dick und Dünn: Eberhard Junkersdorf, der mir halb Farbenblindem auch die Restaurierung, Licht- und Farbbestimmung, sowie all die digitalen Verfeinerungen gemacht hat."

Auf den Oscar! Volker Schlöndorff und Eberhard Junkersdorf mit Hooman Afshari und Lutz Rippe von Studiocanal

Auf den Oscar! Volker Schlöndorff und Eberhard Junkersdorf mit Hooman Afshari und Lutz Rippe von Studiocanal

Mein Vater fand den Film "mit einem Wort: scheußlich!" Cannes nahm ihn in den offiziellen Wettbewerb auf. Der Rest ist Geschichte.

Der große Erfolg war zunächst nicht abzusehen: "Der Verleihchef von United Artists in Frankfurt war entsetzt und fand den Film 'nicht spielbar’", erinnert sich Schlöndorff. "In New York hatten United-Artists-Chef Norbert Auerbach und sein amerikanischer Kollege Eric Pleskow sowie der Schweizer Ernst Goldschmidt mehr Verständnis. Gerade das Ungewöhnliche, das den sogenannten guten Geschmack verletzte, sei das Gute, erklärten sie ihrem deutschen Statthalter. Mein Vater allerdings blieb dabei und fand den Film ‚mit einem Wort: scheußlich!' Cannes nhm ihn in den offiziellen Wettbewerb ein. Der Rest ist Geschichte.“

Ja, es gab nicht nur einen Oscar für Oskar und Co. Der Film, der so manchen auf die Palme brachte, gewann bereits 1979 in Cannes die Goldene Palme und ist heute ein absoluter Klassiker, auf dessen "digitale Verfeinerungen" wir uns so sehr freuen wie der kleine Matzerath in der Geschichte auf jede neue Blechtrommel. Und der Film bleibt auch nach 40 Jahren noch das, was in seinem Verlauf jeder Trommelschlag und jeder Schrei des Jungen ist, der sich gegen die Verhältnisse wehrt, indem er das Wachsen einstellt. Ein unvergessliches Ereignis.

WF

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