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Jean-Claude Carrière: Meilensteinen den Weg geebnet

Der französische Drehbuchautor Jean-Claude Carrière ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Mit Volker Schlöndorff schrieb er das Skript zu Die Blechtrommel, viele weitere Filmklassiker stammen aus seiner Feder.

10. Februar 2021

Das Drehbuch zum Welterfolg mit der sehr deutschen Geschichte – die Adaption von Günter Grass’ Roman Die Blechtrommel – schrieb Regisseur Volker Schlöndorff Ende der 1970er Jahre auf Französisch. Gemeinsam mit Jean-Claude Carrière, den er durch die Arbeit an Louis Malles Viva Maria! Mitte der 1960er Jahre kennengelernt hatte. Schlöndorff war damals Regieassistent von Malle, Carrière dessen Ko-Autor. Der Franzose wäre dieses Jahr 90 Jahre alt geworden, am 8. Februar ist er in Paris verstorben. Im Nachruf für die FAZ nimmt Volker Schlöndorff nun noch mal Bezug auf die Jahre, in denen ihre Freundschaft begann.

»Da wir in Mexiko drehten und Jean-Claude mit Buñuel an Belle de Jour arbeitete, war es nur natürlich, dass er auch in Louis Malles Film Elemente von Anarchie und Surrealismus einbrachte. Nicht gerade Garanten für kommerziellen Erfolg – aber es gibt Ausnahmen. Der diskrete Charme der Bourgeoisie und Dieses obskure Objekt der Begierde sind der beste Beweis: Niemand sonst hätte es gewagt, extrem konventionelle Handlungsstränge mit solch wilden surrealistischen Ideen zu kombinieren.« Schlöndorff attestiert dem Freund schließlich die »einzigartige Leistung«, ästhetische Avantgarde und Mainstream-Kino zu vereinen.

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Dieses Talent hat er immer wieder unter Beweis gestellt, im Laufe seines Lebens schrieb sich Jean-Claude Carrière geradezu die Finger wund, arbeitete mit den größten Filmemachern zusammen. Neben den bereits erwähnten Werken war er entscheidend beteiligt an Klassikern der Kinogeschichte wie Tagebuch einer Kammerzofe, Milchstraße, Eine Komödie im Mai oder Der Dieb von Paris. Auch mit zunehmendem Alter blieb er Ideengeber für jüngere, experimentierfreudige Regisseure wie etwa Jonathan Glazer, mit dem er 2004 den sehr ungewöhnlichen Thriller Birth realisierte. Zahlreichen Meilensteinen hat er den Weg geebnet.

Eine Ausnahmeerscheinung

Wer mehr über die weiteren Projekte mit Volker Schlöndorff erfahren möchte, sei auf dessen Webseite verwiesen. Diese anekdotischen Einträge lesen sich am besten mit Schlöndorffs wunderbarer Erzählstimme im Kopf – und mit seiner Art in Gedanken, über die Arbeit anderer ins Schwärmen zu geraten. Man stellt fest, dass Jean-Claude Carrière auch ein Mutmacher war.

Mit Carrière verliert die Filmwelt einen aus der »alten Garde« – und das ist alles andere als despektierlich gemeint. Jemanden, der in Geschichten eintauchte und ihre größten Schätze barg, um sie auf der Leinwand sichtbar werden zu lassen, ohne selbst im Scheinwerferlicht zu stehen. Eine jener Ausnahmeerscheinungen hinter den Kulissen, ohne die Filme gar nicht denkbar wären – und so weltbewegende, wie er sie schuf, schon gar nicht.

WF

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